Was ist Hypnose?



Die Hypnose ist ein vollkommen natürlicher Zustand, dessen Oberfläche wir alle bestens kennen. Eine meditative Trance fällt ebenso unter den Sammelbegriff "Hypnose", wie auch die gedankenlose Entspannung beim ziel- und zeitlosen Blick in ein glitzerndes Gewässer. Hypnose beschreibt also keinen exotischen Zustand, in dem der Hypnotisand völlig weggetreten wäre. Ganz im Gegenteil: Während der Kontakt nach außen abgebaut wird, wird die Selbstwahrnehmumg deutlich gesteigert. Emotionale (psychische) wie körperliche (somatische) Aspekte können sinnlich erfahren und zielgenau vertieft, genutzt und bearbeitet werden.

Die Hypnose ist ein Zustand, der auf Geist und Körper pflegend und aktivierend wirkt. Durch körperliche Entspannung und eine Abfolge gezielter Suggestionen (Schwere, Tiefe, Ruhe, Wärme) stellt sich der Zustand einer hypnotischen Trance meist von ganz alleine ein. Anwendende Berufsgruppen (vom Neuropsychologen bis zum Sportmediziner) sind sich in der Vielfalt und Nützlichkeit der hypnotischen Wirkungsweisen einig. In der Hypnoseforschung sind nur noch Detailfragen zu klären. Die Frage nach der tatsächlichen Wirkung der Hypnose stellt sich also nicht. Die richtige Frage ist: Wie gut ist der Hypnotiseur mit dem System vertraut, das er bedient? Dies beinhaltet u.A.:

• Technik des "Hypnotisierens"
• Zugang zu Persönlichkeit und Fragestellung des Klienten
• Funktionen und Wirkungsweisen von Psyche, Körper und Psychosomatik
• rationale (Methodik, Analyse) und irrationaler Aspekte (Gefühle, Symbolsprache)

Gerade in der Hypnose ist es elementar, sich auf die individuellen Aspekte des Klienten einzulassen. Ein breit aufgesellter Wissens- und Erfahrungsschatz ist also unabdingbar. ACHTUNG: So wirkungsvoll dieser Zustand auch sein mag, wer die Hypnose als Allheilmittel anbietet, hat sie nicht verstanden.

Selbsthypnose



Eine geleitete Hypnose ist im Grunde eine begleitete Selbsthypnose. Als beispielhafter Vergleich ist eine Bergtour mit Bergführer sehr passend. Obwohl es der Bergführer ist, der die sicheren Wege kennt, das Wetter im Blick hat und die interessanten Aspekte von Natur und Landschaft aufzuzeigen weiß, sind Sie es doch die eigenen Füße, die einen durch die Landschaft tragen. Die Selbsthypnose stellt in diesem Beispiel die Bergtour ohne Führer dar. Meditation führt sehr oft in den Zustand einer leichten Hypnose. Die Fokussierung auf sich selbst (z.B. der Atem und die Körperschwere) und der daraus folgende Blick nach Innen sind hierbei erste Schritte. Wie auch in der Fremdhypnose sind diverse Charaktermerkmale, Bereitschaftspotentiale sowie äßere Umstände dafür entscheidend, wie leicht oder schwer die Selbsthypnose gelingt.

Fremdhypnose



Unter Fremdhypnose versteht man das sogenannte "hypnotisiert werden". Eine außenstehende Person leitet die Trance ein, steuert die Tiefe, führt wieder heraus und gibt in der Trance auf Wunsch gezielte Suggestionen. Üblich ist die Induktion (Einleitung) einer Hypnose durch die sogenannte Verbalsuggestion. Insofern sie individuell angepasst wurde, ist diese Methode sehr wirkungsvoll und führt sowohl sanft wie auch zielgerichtet in den erwünschten Zustand. Auf Umdenken und Überrumpelung des Denkvorgangs ausgelegt sind interessante Techniken zur Schnell- und Blitzhypnose. Im Coaching werden diese jedoch selten angewandt, sie ergeben oftmals die eindrucksvollen Effekte der Showhypnose. Trotz der Begleitung von außen ist der Hypnotisand auch bei der Fremdhypnose in der Lage zu agieren, zu reagieren und auf eigenen Wunsch die hypnotische Trance selbstständig aufzulösen.

Suggestionen



Als Suggestionen werden die (meist heilsamen) Einflüsterungen des Hypnotiseurs bezeichnet, wie sie vorallem in der coachenden und therapeutischen Anwendung der Hypnose zu finden sind. Aber auch der Befehl "Du bist eine Katze!" in der Showhypnose ist eine klare Suggestion - die Nützlichkeit sei hierbei dahingestellt. In einer hypnotischen Trance ist die Wirkung von Suggestionen klarer (weil wörtlich verstanden) und um ein Vielfaches verstärkt. Wie wirksam Suggestionen sein können, insofern die "erwachsene" Ratio nicht dazwischen funkt, zeigt folgendes Beispiel: Ein Kind schürft sich das Knie auf und verlangt nach einem Pflaster mit Dinos darauf. Es ist jedoch kein solches Pflaster zur Hand, weshalb das Kind weiter Schmerzen leidet. Erst durch das ersehnte Dino-Pflasters werden die Schmerzen (deutlich) verringert. Allein durch den Wunsch des Kindes wirkt also das Bild auf dem Pflasters auf das Bewusstsein. Obwohl der Schmerzreiz weiterhin vorhanden ist, werden die Schmerzen vom Bewusstsein nicht mehr wahrgenommen. Im Zustand einer hypnotischen Trance ist die psychosomatische Wirkung von Suggestionen und Vorstellungen (im Beispiel: "Nur ein Dino-Pflaster kann mir helfen!") deutlich gesteigert. Die Hypnose ist daher ein wirkungsvolles Werkzeug für die Behandlung und das "Tuning" von Geist und Körper. Und so vielfältig die Menschen sind, so vielfältig ist ihre Anwendung.

Grenzen der Hypnose



Hypnose ist ein mächtiges Werkzeug im Umgang mit dem Unbewussten, mit Motivation, Psychosomatik, Phantasie und so manch weiteren Aspekten. Sie stellt einen direkten Zugang zum Unbewussten dar und ist somit dazu in der Lage, Glaubenssätze und Verstandesgrenzen schnell und leicht zu überwinden. Doch egal, welches Werkzeug verwendet wird, tiefsitzende Probleme und lange gepflegte Verhaltensweisen ändern sich nicht über Nacht. Auch die Vielfalt soll nicht darüber hinweg täuschen, dass es Schwierigkeiten gibt, denen gegenüber andere Mittel angewendet werden sollten. Depressionen z.B. sollten niemals rein hypnotisch behandelt werden. Auch schwere körperliche Krankheiten nur mit Hypnose zu behandeln führt meist nur zum Überdecken der Symptome, nicht aber zur tatsächlichen Heilung. Auch wenn die Hypnose zu Ergebnissen führt, die für den Laien in Tempo und Wirkung teils unglaublich wirken, im Grunde weckt sie vorhandene Fähigkeiten. Der Zauberstab wurde damit nicht erfunden.

ACHTUNG: Gegenanzeigen (hier bitte nicht hypnotisieren!)
Neurose, Psychose, akuter Schock, Schizophrenie, Herzschwäche, Kreislaufschwäche, mögliches Wecken eines Traumas, unangenehme Gefühle in der Hypnose, fortgeschrittene Schwangerschaft (Hypnose kann Wehen auslösen), Ablehnung der Hypnose. → Im individuellen Fall soll ein kompetenter Arzt entscheiden.


Ein weiterführender Artikel findet sich in meinem Blog.

Gerne gestellte Fragen



Kann ich mich bei einer Hypnose wirklich sicher fühlen?
Die Hypnose stellt einen Zustand dar, in dem das Unbewusste offen ist für Ratschläge, Hinweise, Empfehlungen (die Suggestionen). Wenn Ihnen diese Empfehlungen sinnvoll erscheinen, dann werden sie aufgenommen und umgesetzt. Widersprechen die Suggestionen Ihrem Willen, Ihrer Moral, Ihren Gefühlen etc., dann werden sie trotz hypnotischer Trance abgelehnt. Es ist wie mit einem Samenkorn: Es geht nur auf, wenn der Boden empfänglich ist. Die landläufige Meinung, der Hypnotiseur kontrolliere den Hypnotisanden, gehört ins Reich der Märchen. Sind Sie gesund (s.o. Gegenanzeigen), so können Sie sich also ohne Bedenken hypnotisieren lassen.

Ist der Zustand einer hypnotischen Trance irgendwie schädlich?
Nein. Dieser Zustand ist bei gesunden Menschen grundsätzlich gesund. Einzig bei Menschen mit starken Neurosen, Psychosen, Herzschwäche, Schizophrenie... sei von einer Hypnose dringend abgeraten. Und natürlich sollte man nicht mit Nachdruck in offene Traumata hinein hypnotisieren. Die Hypnose an sich ist eine tiefe seelische und körperliche Entspannung - eine Art "Reset" für Körper und Gehirn.

Kann man auf Hypnose "hängenbleiben"?
Nein. Man kann ja auch nicht auf einer Meditation oder auf autogenem Training oder dem Schlaf hängenbleiben. Ein berechtigter Vergleich.

Ist jeder Mensch hypnotisierbar?
Ja, jeder gesunde Mensch ist hypnotisierbar, insofern er sich nicht dagegen wehrt. Bis zu welchem Grade, das ist individuell. Ein paar sind kaum hypnorisierbar, andere haben ganz ohne fachliche Unterstützung einen Zugang zur Hypnose gefunden, ohne dass sie es so benennen würden. Die Suggestibilität ist der Grad, wie leicht es jemandem fällt in eine hypnotische Trance zu gleiten. Dies kann mit einfachen Versuchen getestet werden.

Warum lassen sich die Menschen bei einer Showhypnose manchmal sogar lächerlich machen?
Bei einer Showhypnose werden aus dem Publikum mittels geschickter, mehrstufiger Auswahlverfahren diejenigen Gäste herausgesucht, die eine echte Lust darauf verspüren, sich auf der Bühne - teilweise im Wortsinn - zum Affen machen zu lassen. Sie sind bereit und für die Suggestionen des Hypnotiseurs empfänglich.

Warum wird Hypnose, wenn sie so gesund und wirksam ist, nicht flächendeckend angewendet?
Hier gibt es mehrere Gründe, die zusammen wirken. Zuerst einmal ist die Hypnose wissenschaftlich noch nicht lange erkundet, diese Forschung ist kaum hundert Jahre alt. Gerade im 19. Jahrhundert wurde Hypnose viel im okkulten Bereich angewandt. Auch diese Verbindung ist noch in den Köpfen der Menschen - fest verankert nicht zuletzt in Film und Trivial-Literatur. Heutzutage verdient die Pharmaindustrie gut an Medikamenten zur Hemmung von Symptomen, wohingegen die Hypnose nicht via Ladentheke verkauft werden kann. Auch von staatlicher Seite gibt es keinerlei Bestrebungen. Nicht zuletzt schadet manche Showhypnose dem Ansehen der Hypnose sehr. Alles in Allem ist dies eine sehr ungünstige Gemengelage für die Verbreitung der Hypnose und Selbsthypnose.