H e r k u n f t

Oft heißt es, der Mensch habe zu Beginn seiner Existenz die Wälder verlassen. Doch das ist eine ungeschickte Beschreibung, denn sie vernebelt die Tatsachen. Wir haben den Raum des Urmenschen niemals verlassen - wir haben ihn verändert. Einstmals Teil dieser Natur, haben wir damit begonnen, die Natur zum Teil unseres Lebens zu machen. Den Ast zum Stock, den Stein zur Klinge, das Bärenfell zur Uniform. Und wir sind schnell, sehr sogar, so dass die Evolution nicht mehr hinterher kommt. Jedes Baby, das heute frisch geworfen wird, ähnelt in vielerlei Hinsicht einem Baby aus der afrikanischen Steppe 300.000 Jahre vor Christus. Die frühmenschliche Feinjustierung lebt noch in uns, in einem gewachsenen Gehirn des heutigen Homos sapiens. Wollen Sie also wissen, warum und wie Sie heute funktionieren, so ist der Blick in die Vergangenheit sehr nützlich.


Kampf ums Überleben

Die menschliche Natur gleicht der Natur eines jeden Lebewesens: Sie ist auf das Überleben ausgereichtet. Das meint einerseits das Überleben und Ausreifen des Individuums, zumindest bis zur erfolgreichen Vermehrung. Und es meint das Überleben der Art auf lange Sicht. Wie stark der Lebenstrieb des Menschen ausgeprägt ist, wieviel Kraft dahinter steckt, sehen wir an den dramatischen Schicksalen von Menschen in Extremsituationen. Von den Überlebenden des Holocaust bis zu den sinnentleerten Jahren zwischen Netflix, Pilates und Sales-Management zeigt uns das Schicksal immer wieder, was wir Menschen alles ertragen können. Psyche und Physis sind nur allzu vollgestopft mit Mechanismen, die das Überleben garantieren - von der Amöbe bis zum Menschen ist jedes Lebewesen für das Überleben konstruiert. Ob das Überleben dann auch auf lange Sicht funktioniert, dafür gibt es keine Garantie. Was nicht passt wird letztlich aussortiert. Und ob unsere rationale Intelligenz, die ja unbestreitbar auch ein Vorteil ist, uns wirklich bis zur nächsten Stufe trägt, das wird sich noch zeigen müssen. Denn vom Senfgas bis zur Brandrodung zeigt unsere Intelligenz auch unbestreitbar destruktive Komponenten.

Die "Gier nach Leben" geht so weit, dass sich Hexen und Heiler, Mystiker und Hohepriester schon seit Menschengedenken aufmachen, um nach dem Lutscher der Unsterblichkeit zu suchen. Zum Glück erfolglos, möchte man nachlegen. Denn die wirkliche Unsterblichkeit liegt in der Art, nicht im Individuum - und auch das nur theoretisch. Denn bei all den großen Dummheiten, bei all den faszinierenden Erfolgen, die die Menschheit bis hier her gefeiert hat... wir Menschen sind ein sehr junges Kind der Evolution. Zum Vergleich: Die ältesten Funde von Fossilien des modernen Menschen gehen auf einen 315.000 Jahre alten Schädel in Marokko zurück, während die ältesten Zahnfunde des Weißen Hais gute 60 Millionen Jahre alt sind - der Weiße Hai ist also 190 mal so alt wie wir. Ob wir tapsigen Kleinkinder der Evolution die aktuelle Phase wirklich überleben - die Bockigkeit gegen die eigene Natur - das ist zudem mehr als fraglich. Aber was auch immer unserer jungen Art begegnen und geschehen mag, wir werden niemals damit aufhören uns fortzupflanzen und neue Lebensräume zu erobern. Das Überleben also, das tief in uns verwurzelt ist, als Art und Individuum.

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Wahrnehmung

Der individuelle Unterschied von Wahrnehmung und Bewertung ist sehr einfach skizzierbar. Nehmen wir einen x-beliebigen Sonnenstrahl und zwei Personen, die mit ihm in Kontakt kommen. Die eine Person ist braungebrannt und hat sich eben Sonnencreme in die Haut massiert. Der Input "Sonnenstrahl" wird im Verarbeitungsweg mit den Attributen "Macht meine Haut schön!" und "Yeah, Urlaubsfeeling!" verbunden. Wahrnehmung und Reaktion sind positiv. Werfen wir den Sonnenstrahl nun auf Person Nr.2, die an starker Lichtallergie leidet, wird derselbe Input zu einer völlig anderen Wahrnehmung und Bewertung führen. Verstehen Sie nun, warum 0,5% Fremde im Lande manchen Menschen wirklich Angst machen? Es ist eine Frage der Wahrnehmung und mit welchen Bedingungen die Tatsachen auf dem Weg ins Bewusstsein kollidieren.

Das große "Problem" der Wahrnehmung liegt in der Verarbeitung, denn die ist kompliziert und störungsanfällig. Stellen Sie sich einen kommenden Input (z.B. unseren Sonnenstrahl) als eine Konstante vor. Nun wird diese Konstante, deren "Wert" erst einmal neutral sein soll, von der Welt da draußen in eine völlig andere Welt hinein gelegt: Der wahrnehmende Mensch mit all seinen neuronalen, physischen, charakterlichen... Tagesformen und Gegebenheiten. Unser Wahrnehmungs-Apparat färbt den Input individuell ein und setzt ihn in Beziehung zum schon vorhandenen geistigen Material. Genauer gesagt: Jeden Input, der nicht schon an der Türe zur Verarbeitung abgweiesen wurde. Wahrnehmung ist also schon auf zwei Ebenen selektiv: Nehme ich es überhaupt wahr und wie berwerte ich es. Der logische Schluss ist eine erhöhte Skepsis der eigenen Wahrnehmung gegenüber.

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Sippentier

Der Mensch ist ein Sippentier. Wir fühlen uns dort am wohlsten, wo das Umfeld unserer Natur entspricht. Auf die Sippe gemünzt ist das z.B. der Freundes- und Bekanntenkreis, die Tanzgruppe, die Stammgäste der Eckkneipe und so weiter. Unwohl fühlen wir uns nur in dauerhafter Einsamkeit, sowie unter den Massen an Fremden, die sich am morgen in die U-Bahn quetschen. Die Familie ist als Teil der Sippe natürlich im Wohlfühlgefühl mit enthalten - insofern die eigenen Verwandten nicht zu sehr die Buckligen sind. Bei aller Individualität sind wir auch in unserem Verhalten mit der Gruppe eng verbunden. Die Dynamik einer Gruppe kann durchaus als "Interferenz zwischen Individuen" bezeichnet werden: Die einzelnen Personen erzeugen in der Gruppe ein angepasstes und vorraussehbares Verhalten. Wie stark unser Verhalten vom Verhalten der uns umgebenden Gruppe abhängt, können wir an unzähligen Beispielen betrachten. Das Leben im Verein, die Ritualisierung der Religiösität, das Konformitätsexperiment von Solomon Asch
Psychologe
1907-1996
- um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wir unterscheiden hier die Herde als anonymen Verbund unzähliger Einzelwesen, die Familie als den engsten Kreis der Blutsverwandtschaft und die Sippe als überschaubare Gruppe mittlerer Größe, in der zwar nicht alle verwandt sind, aber alle miteinander bekannt. Streng genommen ist zwar auch die Sippe einer Verwandtschaft untergeordnet, heutzutage darf dieser Begriff aber gerne im übertragenen Sinne verwendet werden. Die Sippe ist davon geprägt, dass es in ihr keine Fremden gibt - jeder Fremde gehört auch einer fremden Sippe an und ist daher eine potentielle Bedrohung für das eigene Wasserloch, die eigene Schlafhöhle und daher letztlich für das Überleben. Erkennbar ist das Mitgleid einer fremden Sippe an seiner fremden Sprache, Kultur und ethnischen Abstammung. Das klingt rassistisch - und das ist es auch. Zähneknirschend und mit Widerwillen kommen wir leider nicht darum herum, den Rassismus als Folge unserer Art zu betrachten. Seine Wurzeln hat er in einer Melange aus Prägung, Wahrnehmung und Überlebenstrieb - also in den ruidmentären, animalischen Anteilen in uns. Wenn nun Rassisten durch die heutige Welt ziehen, dann verhält sich der selbsternannte Übermensch nicht viel anders als ein gereizter Flachlandgorilla beim Anblick eines Silberrückens aus den Bergen. Und das sollte uns - vor allem aber dem Übermenschen - schwer zu denken geben.

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Flexibilität

Der Anzug sitzt, die Rolex tickt, das Büro ist das natürliche Habitat? Aber nein - das Kinderbett des modernen Menschen ist und bleibt die Wildnis. Um bestens an die Wildnis angepasst zu sein sind wir höchst instinktiv und grundlegend gesteuert von den Trieben, die dem Überleben dienen. Wir vergessen gerne, dass wir wilde Tiere sind, deren Intuitionen und Reflexe einen weit größeren Einfluss haben, als die Fähigkeit zur Hexadezimalrechnung. Doch es ist kein Wunder, dass wir diesen Fakt gerne übersehen - schließlich besitzt der Mensch weder Fell noch scharfe Krallen, weder Giftdrüsen noch schützendes Gefieder. Wie soll so ein "nackter Affe" - optisch mehr Alien als Säugetier - in der Wildnis überleben? Wie soll er dafür konstruiert sein? Auf den ersten Blick wirkt der Mensch, als hätte die Natur ihn ausgespuckt. Um eine Antwort zu erhalten, müssen wir also einen zweiten Blick riskieren.

Zuerst einmal ein logischer Gedanke: Wir haben die Wildnis nicht nur überlebt, wir haben sie bezwungen. Wie perfekt müssen wir also an diese Wildnis angepasst sein, wenn wir sie sogar unterwerfen können? Der König der Tiere hat das nicht geschafft. Unsere besondere Fähigkeit ist dabei mentaler Natur, ein höchst flexibler Geist, der uns eine außerordentliche Fähigkeit zur Anpassung beschert. Dazu kommt noch ein ebenso flexibler Magen, der uns auch unabhängig vom regionalen Nahrungsangebot macht. Wir können uns anpassen, haben eine Konstruktions-Phantasie und sind unseren Instinkten nicht mehr hilflos ausgeliefert. Wir können uns reflektieren, uns einlassen, umstellen und von den alten Pfaden zu neuen Ufern aufbrechen. Unsere Urkraft ist das Mentale. Und dessen ausschlaggebende Besonderheit ist eine auf diesem Planeten einzigartige Dimension der geistigen Flexibilität. Das Gegenteil davon finden Sie übrigens an den radikalen Rändern unserer Gesellschaft, wo die geistige Flexibilität dem starren Dogmatismus der Ideologien weicht. Ein Fun-Fact am Rande: Dass radikales Denken dümmer macht ist wissenschaftlich erwiesen.

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Welt im Hirn

Die Amöbe futtert gern Bakterien, die schmecken ihr am besten. Um ein Bakterium zu verschlingen, muss es aber wahrgenommen werden. Obwohl wir hier weit von der bewussten Wahrnehmung entfernt sind, würde die Amöbe ohne ihre Fähigkeit zur Wahrnehmung schlicht verhungern. Wo beim Einzeller die Wahrnehmung über den direkten Reizkontakt funktioniert, haben höhere Lebewesen ein ausgeklügeltes System an Sinnen entwickelt. Der Hai kann z.B. elektromagnetische Felder wahrnehmen, Rotkehlchen nehmen das Erdmagnetfelder wahr, Kinder nehmen wahr, wenn sie den Eltern ganz besonders in den Nerven bohren können. Die Sinnesorgane leiten dann den jewiligen Reiz ins Gehirn, wo er in eine verständliche Form umgewandelt wird. Das funktioniert ganz ähnlich wie ein elektromagnetisches Signal, das vom Fernseher zu einer Bildfolge zusammengesetzt wird, die uns dann das Bild und die Bewegung suggeriert. Wahrnehmung ist also keineswegs das, was da draußen passiert, sie ist nicht mehr und nicht weniger als das innere Feedback, das die äußere Welt erzeugt. Und dieses Feedback ist mit dem äußeren Reiz keineswegs identisch.

Ein wichtiger Aspekt der Wahrnehmung ist die Verarbeitung. Auch wenn wir das Schauspiel unseres Bewusstseins nur zu gerne als "die Realität" anerkennen wollen, ist und bleibt es doch nur eine stark verfremdete innere Realität. Ein Anschauliches Beispiel ist das Sehen. Letztlich fällt hier ein Photon auf eine Zelle, das Sehen ist im Kern also erstmal eine Berührung. Es ist unser Geist, der daraus ein Bild entstehen lässt - Farben, Formen, räumliche Tiefe und so weiter. Evolutionär sinnvoll und im Lebensalltag äußerst praktisch, ist dieses Bild - das Sehen - von der Wirklichkeit der Welt doch weit entfernt. Und da hat sich die Natur die verschiedensten Lösungen ausgedacht, von der das menschliche Sinnessystem nur eine unter vielen ist. Noch viel weiter geht der Weg unterschiedlicher Wahrnehmung, wenn wir das Individuum betrachten. Doch dazu mehr an anderer Stelle.

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Interaktion

Der Mensch ist ein duales Wesen. Er hat zwei Hirnhälften und zwei Herzkammern, zwei Arme, zwei Beine und denkt zumeist in Schwarz und Weiß. Dass diese in uns wohnende Einfachheit nicht der Komplexität der Welt entspricht, sieht man täglich - wir tun uns elend schwer damit und stolpern ständig über Vielfache, die wir gerne auf das Einfache herunter brechen würden. Technisch, zwischenmenschlich und so weiter, wir vereinfachen wo wir es nur können. Ein schönes Beispiel ist die Quantenphysik, deren ausgeprägte Irrationalität regelmäßig die Gehirne ihrer Betrachter verknotet. Dual ist auch die Richtung unseres Seins, der Wahnrehmung und der Interaktion. Die eine Variante geht nach innen, der Umgang mit sich selbst und das Erleben von Geist und Körper. Hier nun ein paar Worte in die andere Richtung: Nach außen, also die Interaktion mit der Welt.

Die Interaktion ist eine Handlung, die auf der Wahrnehmung basiert. Man nimmt sich gegenseitig wahr und richtet das jeweilige Handeln darauf aus. Das Spektrum ist dabei sehr weit, Interaktion kann z.B. frei und unfrei sein: Der Sklave interagiert mit seinem Herren, so wie der Herr mit seinem Sklaven interagiert. Genaus ist natürlich Interaktion auf Augenhöhe möglich - bei unserem natürlichen Hang zur Hierarchie sehen wir uns an dieser Stelle jedoch regelmäßig über die eigenen Füße stolpern. In der Tier- und Pflanzenwelt sind die Regeln durch die Natur vorgegeben, durch Instinkte, Prägungen, Reflexe und Notwendigkeiten. Tiere sind der Reflexion nicht fähig und haben es daher recht leicht: Die Interaktion ist programmatisch vorgegeben, der individuelle Spielraum dementsprechend gering. Der Mensch hingegen macht sich neben solch programmatischen Vorgaben auch seine eigenen Regeln - er nennt es Moral, Gesetz, Kultur... und meistens geht das halbwegs gut. Von der Amöbe bis zum Menschen stellt die Interaktion mit der Welt eine der grundlegenden Säulen des Lebens dar.

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Kommunikation

Auch wenn die Wikipedia das Gegenteil behauptet, ist die Kommunikation ein Teilbereich der Interaktion und dieser ganz klar untergeordnet. Sie ist jener Bereich, in dem die Interaktion zum Austausch von Informationen genutzt wird. Klar, heutzutage kommen einem sofort das Internet, WhatsApp und Konsorten der digitalen Kommunikation in den Sinn. Die Kommunikation führt aber weit darüber hinaus. Eine Unterhaltung am Küchentisch, das Herbeiwinken eines Taxis, der Briefverkehr mit dem Finanzamt... all dies sind Wege der Kommunikation. Selbst Pflanzen kommunizieren miteinander, z.B. warnen sich Bäume vor Gefahren wie Feuer und Schädlinge, indem sie via Pilze, die wie eine Art Glasfasernetz den ganzen Boden durchziehen, Informationen in Form von Botenstoffen durch den Boden schicken. Die Forschung ist hier zwar noch jung, ihre Ergenisse sind jedoch eindeutig - die gerne als reine Esoterik verbräte Gaia-Hypothese mag weit über die Wirklichkeit hinaus schießen, vollständig von der Hand zu weisen ist sie nicht.

Ein Grundprinzip der Kommunikation ist das Sender-Empfänger-Prinzip. Es besagt, dass der Sender der Information und ihr Empfänger sich im Code der Übertragung einig sein müssen. Die selbe Sprache wäre so ein Code, denn ohne die Fähigkeit, Deutsch zu verstehen, werden Sie mit meiner Homepage wenig anfangen können. Ebenso müssen wir uns im Rahmen einig sein, in dem dieser Code verpackt ist: Um einen Schrifttext zu verstehen sollten Sie neben der Sprache auch des Lesens mächtig sein. Auch müssen die "Kontaktstellen" jeweils zusammen passen - so nützt es nichts, wenn ich versuche einen Brief dadurch zu verstehen, dass ich an der Tinte rieche. Große Anteile der Kommunikation passieren übrigens auf der unbewussten Ebene: Ein dezentes Lächeln, der Blick, die Körperhaltung... werden oftmals unbewusst angewendet und ebenso unbewusst ausgelesen. Genau diese subtilen Informationswege fehlen z.B. im digitalen Chat, mehr schlecht als recht - weil stereotyp - von Smileys und Konsorten aufgefangen. Sie kennen selbst diese unzähligen Missverständnisse, die gerade wegen den fehlenden subtilen Wegen in einem Chat entstehen. So praktisch die digitale Kommunikation ist, sie ist doch stark limitert.

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Evolution

Die Evolution plant nicht, sie passiert. Sie ist wie ein tapsiges Kind, das einfach mal drauf los gekrabbelt ist und nun auf ihre eigene Entwicklung reagiert. Funktioniert ein Fehltritt nicht, dann bleibt er auf der Strecke. Funktioniert ein Fehler gut, dann wird er zur Tugend erklärt und auf ihn aufgebaut. So gibt es auf Galapagos z.B. eine Fliegenart ohne Flügel, die an jedem anderen Ort der Erde schnell ausgestorben wäre. Doch herrscht auf den Galapagos-Inseln ein so stetiger Wind, dass die fliegende Fliege aufs Meer hinaus und damit in den Tod hinein geweht würde. Überlebt hat die flügellose Fliege, deren Fehler auf Galapagos zur Tugend wurde.

Der Mensch hält sich für die Krone der Schöpfung, für das Ende einer langen Kette - und ihm quillt dabei die Arroganz aus allen Poren. Doch die Evolution hat kein Ziel, das sie erreichen und wie ein Monument ihres Schaffens auf die Erde pflanzen will, um nach dessen Erschaffung in Rente zu gehen. Nein, die Evolution macht einfach weiter. Ihr ist es egal, ob es der Mensch ist, der in fünf Millionen Jahren noch auf sein Smartphone glotzt, oder ob die flügellose Galapagos-Fliege irgendwann die Weltherrschaft übernimmt. Die Weltherrschaft ist übrigens das Gegenteil der Evolution - eine inzestuöse Reduktion, die dem Grundprinzip des Lebens widerspricht. Und dieses Grundprinzip des Lebens ist die Vielfalt. Ob wir Menschen in dieser Vielfalt als Tugend oder Fehltritt gelten, das ist eine Frage, die nur die ferne Zukunft zu beantworten weiß.

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