Texte


Meine Texte reichen von der wissenschaftlich fundierten Betrachtungsweise bis hin zur reinen Unterhaltung. Meist siedeln sie sich irgendwo zwischen diesen beiden Polen an. Hier findest Du meinen Blog, weiter unten eine gewisse Anzahl an Märchen & Geschichten, sowie einen tiefen Blick in meine Bibliothek. Fühle Dich also zum Stöbern eingeladen.

Blog

In meinem Blog tobe ich mich aus. Von wissenschaftlichen Hintergründen über philosophische Betrachtungen bis hin zu Satire und rein persönlicher Meinungswiedergabe findet im Ministerium für Innere Schönheit allerlei Sinn und Unsinn seinen Platz. Hier ein paar ausgewählte Artikel:

Psychologie des Windrades

Metaphern, die grimmsche Hexe und die Abnabelung vom Elternhaus

Die Einfachheit der Dinge

Zitatkritk: "Wer lieben kann ist glücklich"

Zu Tode behütet - Warum Leben auch mal weh tun darf

Die Lehre der Leere

Hypnose und HTML-Code

Sei achtsam... aber nicht zu sehr!

Märchen und Geschichten

Das Märchen - ursprünglich eine Lehrgeschichte für alle Altersgruppen - nutzt die Sprache des Unbewussten. Bilder, Metaphern und Magie herrschen hier oftmals ebenso selbstverständlich vor, wie wir es von unseren nächtlichen Ausflügen kennen: Den Trämen. Märchen erklären nicht sachlich, vielmehr schaffen sie ein instinktives Verständnis für Dinge, die oftmals nur schwer ins Rationale zu pressen sind. Hier liegen ein paar meiner literarische Ausflüge in Kunstmärchen und ähnlich sonderbare Stöffchen bereit.

Für die freie Verwendung im privaten Rahmen hängt jeder Geschichte die Möglichkeit zum Dowmload als .pdf mit an. Möchtest Du eine Geschichte öffentlich/kommerziell nutzen, bitte ich um vorherige Absprache.

Atropa Belladonna

oder: Wie die Tollkirsche giftig wurde

Es stand einstmals - und steht noch immer - ein Tollkirschstrauch im Rheinland in den Wäldern. Dieser Strauch gedieh ganz wunderbar und immergrün war er und trug zu jeder Jahreszeit die prächtigsten Beeren. Warum das so war, weiß niemand so genau, nicht einmal die Hasen. Die Hasen, muss man dazu wissen, sind sehr gute Plauderer und über jede Geschichte 'von damals' oder 'anno dazumal' recht gut informiert. Was sie nicht erzählen können liegt mit einer Sicherheit sehr, sehr lange zurück. Wie eben auch der Tag, an dem es den Tollkirschstrauch noch nicht gegeben hatte, oder der, an dem er keine Früchte trug.

Natürlich war in dieser langen Zeit schon die ein oder andere überreife Beere aus seinem Geäst herab einem hungrigen Käfer auf den Kopf gefallen, was für diesen den sicheren Tod bedeutete, doch mochte man den Strauch deswegen keineswegs als 'giftig', 'ignorant' oder gar 'böse' bezeichnen. Ganz im Gegenteil: Sein Gemüt war geduldig und genügsam, sofern er denn eines hatte, viele Tiere und Insekten ernährten sich von ihm und in einer Gesellschaft der Nachtschattengewächse wäre er bestimmt ein großer Philosoph geworden.

Ein weitaus kleinerer Philosoph war der Räuberhauptmann Gunther Kuhn von Laumersheim, der die Glückseligkeit im Morden und Erobern suchte. Gunther war ein großer Schrecken für die Menschheit und im gesamten Land erzitterten die Leute allein bei seinem Namen! In manchen Dörfern und Märkten war es gar mit Strafe belegt, ihn offen auszusprechen, da man glaubte, der Wind könne die Worte geradewegs zum Gefürchteten tragen.

Diese Furcht war durchaus berechtigt, denn Gunther hatte so große Ohren, dass er mit ihnen noch Meilen entfernt das frisch gestillte Junge einer Spitzmaus rülpsen hörte, wenn er es nur wollte, ja selbst im Winter, wenn das kleine Spitzmausbaby tief unter der Erde und die Erde unter einer dicken Decke Schnee begraben lag. (Und im Winter spielt unsere Geschichte.)

Gunthers Erscheinung war furchtbar, und nicht nur die großen Ohren verhinderten jegliche Schönheit, dazu kam ein zerfurchtes Halsabschneider-Gesicht, welches zur Hälfte hinter einem schwarzen Schnauzbart steckte, ungezählte Narben umrandeten seine bösen Augen, und er hatte Pranken, so groß, dass er mit ihnen mit Leichtigkeit ein ausgewachsenes Wildschwein erwürgen konnte. Von der Statur her war der Räuber mehr Troll als Mensch, gehüllt in eine Lederkluft, die starr vor Dreck schon seit Jahrzehnten an seinem Körper klebte, und um den Hals da trug er eine Kette, geflochten aus den Sehnen seiner unseligen Opfer, und behangen mit den Knochen ihrer Finger. Die Knochen erzitterten beim Klang des Namens Gunther Kuhn von Laumersheim, so schrecklich war der Tod ihrer Besitzer gewesen. Und würden ihn seine Knechte nicht

„Herr!“

sondern beim Namen nennen, so hätte ihn das ewige Geklapper schon längst um den Verstand gebracht.

All abendlich nach Einbruch der Dunkelheit stand Gunther lauschend im tiefen Schnee, seine Augen funkelten gierig mit den hinter Bäumen, Büschen und Geäst verborgenen Lagerfeuern seiner Kumpane um die Wette, fast so, als hätte man zwei kleine Seen im Wald aufgestellt, in denen sich die Landschaft rings herum nun wiederspiegelte - oder waren es feuerspuckende Teufelchen, die in ihnen badeten? - er ballte die Pranken zu mächtigen Fäusten, knirschte mit den Zähnen, trank Unmengen vergorenen Traubensaftes und ab und an, vor allem spät in der Nacht wenn der beißende Winterwind besonders laut und scharf um seine großen Ohren pfiff, da sang er gar mit dröhnender Stimme die fürchterlichsten Räuberlieder, während rings um ihn große, weiße Flocken hernieder fielen, als würde Frau Holle das Bettzeug einer ganzen Kompanie über ihm entleeren. Es fiel jedoch keine einzige Flocke auf sein Haupt, denn Schneeflocken haben, was man sich bei ihrer ruhigen Art wohl denken kann, ein sehr empfindsames Gemüt und keine würde einem Mann wie Gunther freiwillig zu nahe kommen. Doch er ängstigte nicht nur den von seiner Natur aus schreckhaften Schnee, auch die Tiere im Wald fürchteten sich vor ihm, ja, zu mancher Stunde meinte man gar die Bäume um Gnade winseln zu hören:

"Weh, o weh, wir sind verwachsen,
stehen hier und dieser Mann
kann uns arme, alte Bäume
fäll'n, verbrenn', an uns heran
mit der Axt, mit Schwert und Feuer;
quäl uns nicht, o Ungeheuer."

Die wilde Horde um den argen Tyrannen zog nun schon seit langer Zeit durch die Gegend um den Rheine, Waren, Geld und Leben raubend, wie es zuletzt die Hunnen taten, und nicht nur Dörfer und Märkte litten unter ihnen, selbst unzählige Reisende gerieten in den tiefen Wäldern und in der guten, alten Lorelei in Gunthers Hinterhalt. Die wandernden Händler mieden deshalb bald das Rheinland und blieben in Regionen in denen sich der Räuber und seine Horde selten blicken ließen. Doch in der Stadt Kowelenz, im Westen, wurde bald kein einziger Händler mehr gesehen. So gab es in Kowelenz zur Weihnachtszeit - wie jedem bekannt ist, ist Weihnachten das Fest der Backwaren und Süßigkeiten, von den Geschenken gar nicht erst zu reden - keinen Tee, keinen Glühwein, keine Mandarinen, Lebkuchen, Zimtstangen, exotische Nüsse, Datteln, Mandeln oder fremde Weine - und selbst der Weihrauch in der Kirche sollte bald zur Neige gehen.

Dem Erzbischof von Kowelenz war dieser Umstand ein ganz arger Dorn im Auge, denn Kowelenz war eine Handelsstadt, einstmals reich und ohne Sorgen, und obwohl sie an Rhein und Mosel lag und einen großen Hafen hatte, konnte man die Ausfälle nicht kompensieren, die Gunthers Schrecken gerissen hatte, ja, selbst die Schiffe mieden den Kowelenzer Hafen, als grassiere dort die Pest. Der Erzbischof wurde von Tag zu Tag zorniger, wollte, nein, konnte diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen, nicht zur größten christlichen Segenszeit im ganzen Jahr... Niemals!

Und so kam es, wie es kommen musste.

Wie wir wissen stand ein Tollkirschstrauch im Rheinland, glücklich und zufrieden und von den Menschen nie entdeckt. Doch eines Tages im Dezember, als der tiefste Schnee seit Menschengedenken die Wälder und Wiesen bedeckte und sich selbst Fuchs und Hase eine schöne Weihnacht wünschten, da standen links von ihm Gunther Kuhn von Laumersheim und mehr als siebentausend seiner Krieger. Diesem gegenüber, vom Tollkirschstrauch aus rechter Hand, da stand das 13.000-köpfige Söldnerheer des Erzbischofs von Kowelenz unter Gottes weitem Himmel, und ehe man sich versah, tobte eine Schlacht von ganz fürchterlicher Dimension: brennende Pfeile regneten herab wie ehedem der Schnee und richteten Mensch und Tier schon bevor sich beide Heere im wilden Tanz vermengten. Kurz darauf trafen die ersten Krieger aufeinander und auf beiden Seiten wurden die Waffen mit loderndem Hass geführt. Reiter pflügten durch die gegnerischen Reihen, Fußsoldaten hieben erbarmungslos aufeinander ein, die Zweihänder schwingend, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan, und selbst die hohen Herren Kommandeure wurden bald von dem Wahn gepackt, der sie mitten hinein trieb, in die fürchterliche Schlacht.

Bald hatte die Erde jede Menge Blut getrunken, und als sich die Sonne längst abgewandt hatte, von diesem grausigen Spiel, da standen sich Gunther Kuhn von Laumersheim und der Erzbischof von Kowelenz gegenüber, gerade an jenem immergrünen Tollkirschstrauch. Weil beide auf ihre Art Monarchen waren kämpften sie in ihrer Feigheit mit vergifteter Klinge. Sie tänzelten umeinander, versuchten es hier und da, und als der Erzbischof zum tödlichen Streich ausholte, da ritzte er mit der Klinge seines Schwertes einen feinen Strich in die Rinde des Strauches direkt hinter sich...

Gunther und der Erzbischof starben gemeinsam. Die Tollkirsche jedoch, im kriegerischen Wahn von den Menschen vergiftet, steht noch heute in den Wäldern. Doch immergrün ist sie nicht mehr und in ihrem Inneren, da trägt sie seit jenem hasserfüllten Tag ein anderes Gemüt, und wer nun von ihren prächtigen Früchten nascht, der fällt in einen Schlaf ohne Wiederkehr.

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Bursche!

Warmer, feinster Wüstenstaub zwirbelte behaglich über den Boden, bis zum Horizont. Welle für Welle, wie ein Meer aus Staub. Das Licht der aufgehenden Sonne spiegelte sich darin, und bis auf das Licht und den Staub und ein paar dürre Bäume in der Ferne gab es nichts zu sehen. Vielleicht streifte ein einsamer Löwe unter dem Staub dahin, auf der Jagd nach Weib und Fleisch, vielleicht nahm eine Gruppe Hyänen jenseits des Horizonts ihr morgendliches Mahl. Wir wissen es nicht.

Gemächlich kroch die Sonne aus ihrem Bett hervor. Das Licht wurde grell und die Szenerie gab Minute um Minute mehr Geheimnisse Preis. Ein Termitenhügel erschien weit vor dem Horizont. Die Bäume legten ihre Schemenhaftigkeit ab. Insekten surrten durch die immer heißer werdende Luft. Der Boden offenbarte eine karge Steppe. Und ein Junge saß gemütlich da und blickte zu den Bäumen.

Sie kamen jeden Tag. Er wusste das. Sie hatten Autos und unzählige seltsame Maschinen dabei. Es waren Maschinen wie Tonnen auf Stelzen, und die Tonnen waren mit Licht gefüllt. Der Junge wunderte sich sehr darüber, denn es war doch hell genug. Er fragte sich, warum sie nicht des Nachts kamen, mit ihren Tonnen voller Licht. Und sie hatten ein Insekt dabei, mit seltsamen Flügeln und nur einem Auge. Das Insekt war nicht tot, denn es surrte ab und an, doch sie hatten es ebenfalls auf Stelzen gespießt und zwangen es, die Weißen zu beobachten. Der Junge glaubte, sie wollten dem Insekt etwas beibringen. Es schien ihm wie eine Schule. Die Weißen taten immer wieder das Selbe, und dann, wenn der Lehrer endlich zufrieden war, ein Mann mit Hut, dann taten sie etwas anderes. Zwischendurch redeten manche von den Weißen mit den Anderen, oder mit dem Insekt. Einer oder zwei waren immer dabei und sie hielten das Insekt und trugen es nach hier und da. Es lernte gerne, denn es surrte dann immer wie in höchster Erregung.

Der Junge kannte diese geheimnisvollen Prozeduren, denn er beobachtete sie schon seit zehn oder zwölf Tagen. Er hatte die wage Ahnung, dass sie bald nicht mehr hierher kommen würden, ihre Aufregung hatte stets zugenommen, seit kurzem viel sie ab von ihnen. Vielleicht war das Insekt schon heute ausgelernt und wurde frei gelassen. Und deshalb hatte der Junge beschlossen sich heute nicht zu verstecken. Er wollte...

Da kamen sie. Wie die Finger eines Gottes züngelten die Staubwolken am Horizont gen Himmel - oder vom Himmel auf die Erde herab. Der Junge war schlau und hatte gute Augen. Er hatte bald gewusst, dass dies nur der Staub war, den ihre Autos aufwirbelten, die Geister des Bodens, die sie erschreckten. Er kannte Autos. Sein Vater hatte ihm davon erzählt.

"Junge," hatte er gesagt, "sie sind wie große, klobige Tiere. Manche sind wie Büffel - die meisten von ihnen - manche sind wie Löwen, andere wie Gazellen. Sie brüllen ohne Unterlass und verbreiten viel Angst. Aber, Junge, es sind keine Tiere. Es sind Maschinen. Wie unsere Boote auf dem großen See. Die Weißen haben sie mit ihren eigenen Händen gebaut, und nun reiten sie diese Maschinen und steuern sie, wohin sie auch wollen. Sie nennen diese Maschinen Auto." Sie kamen näher und plötzlich geriet die Natur in Bewegung. Mäuse sprangen in ihre Löcher, ein Vogel stieg auf, einen Kadaver diente den Fliegen als Zuflucht.

Das Herz des Jungen schlug nun schneller, schwarze Haut verengte seine Augen. Sein ganzer Körper war zur Flucht bereit, in ihm tobte ein Kampf zwischen Wille und Reflex. Der Wille siegte und der Junge blieb dort sitzen, wo er war. Er war nicht älter als zehn Jahre, doch sein Gesicht, so frei von Einflüssen der neuen Welt der Weißen, war ernst und konzentriert und wirkte nicht wie das Gesicht eines Kindes. Wer in diese Augen sah, der wusste, er hatte es mit einem neugierigen Geist zu tun.

Die Wagen hielten, ein Mann sprang heraus und lief direkt auf den Jungen zu. Es war der Lehrer. Er fuchtelte mit den Armen, gestikulierte wild und undurchschaubar, und rief dem Jungen Dinge zu, die nach Ärger klangen. Doch der Junge hatte längst entschieden und blieb wo er war. Er spürte Mutter Erde unter sich, er spürte, wie sie ihn beschützen würde und ihn fest hielt, an eben jener Stelle in Afrika. Der Boden war karg und warm und der Junge spürte ihn an seinen Beinen und unter dem Gesäß. Hätte er gewusst, dass die Erde ein Planet ist, rund und schwebend zwischen den Sternen, dann hätte der Junge sie und sich als Doppelgestirn betrachtet. Es war, als würden sie sich aneinander schmiegen. Er und Mutter Erde, gemeinsam würde ihnen niemand etwas tun.

Der Mann hatte den Jungen nun erreicht. Breitbeinig stand er über ihm, die Kleidung dunkler als die Haut, und wedelte mit seinem Hut die Fliegen davon. Seine Hektik war gewichen, er beobachtete den Jungen und der Junge beobachtete den Mann. Ab und an fielen unverständliche Worte aus dem Mund des Mannes dem Jungen entgegen, doch der Junge verstand sie nicht. Eines klang wie "Bursche!", was immer das auch heißen mochte. Es interessierte ihn nicht, er wollte sie nicht verstehen, er wollte das Insekt sehen. Und deshalb, während sich Junge und Mann in die Augen sahen, amte er das Geräusch des Insektes nach, summte dem Mann entgegen, in der Hoffnung, dass dieser ihn verstand. Zu seinem erstaunen wurde der Mann - der Lehrer - ärgerlich und wandte sich ab.

Die Sonne stieg und stieg. Die Weißen bauten ihre Tonnen auf, und große, glänzende Tücher, auf welche sie das Licht der Tonnen schütteten. Sie stellten Bäume in den Staub, die sie mitgebracht hatten, und der Junge staunte und wunderte sich sehr. Wozu die Bäume, wenn sie keine Früchte trugen? fragte er sich. Und sie ignorierten ihn, sie werkelten um ihn herum, waren fleißig wie die Bienen, doch keiner schob ihn aus dem Weg. Natürlich sahen sie ihn an, ab und zu. Manche lächelten, die meisten schüttelten die Köpfe, was immer das bedeuten mochte. Und der Junge beobachtete sie und ihre Maschinen, ihre helle Haut, ihre seltsame Kleidung, ihre bunten Augen, ihre bunten Haare, ihre unnatürliche Art sich zu bewegen, und seine eigenen Augen wurden groß und größer. Er war fasziniert von diesem Spiel, und trotzdem blieb er konzentriert und auf Distanz. Sein kleiner dunkler Kopf wirbelte herum, gaffte ihnen hinterher, wenn sie ihn passierten. Mal stützte er sich auf die linke Hand, mal stützte er sich auf die Rechte. Und auch das Insekt wurde hervorgebracht und aufgestellt.

Dann kehrte Ruhe ein. Die hektischen Weißen setzten sich unter aufgespannte Tücher und neben die Autos, dort, wo es schattig war. Sie vergaßen den Jungen, ihre Aufmerksamkeit galt nun einzig dem Insekt und den aufgestellten Bäumen davor. Die Tonnen schütteten ihr Licht auf die Tücher und von dort aus floss es über die neuen Bäume. Tote Affenbrotbäume waren es, irgendwann einmal irgendwo aus der Erde gerissen und am Stumpf zurecht gehackt, nur um sie hier aufzustellen. Ob die Weißen glaubten, die Bäume würden hier neu wachsen? Der Junge wunderte sich, schließlich war ihm als Junge schon klar, dass dies hier nicht der Boden dafür war. Die alten Weißen mussten es eigentlich wissen.

Doch sie wussten es nicht und plötzlich surrte das Insekt. Es surrte und surrte, und es kam ein seltsames Wesen zwischen den Bäumen hervor. Zuerst glaubte der Junge, eine weiße Frau zu sehen, doch keiner dieser faden hellhäutigen Menschen konnte so schön sein. Das Wesen bewegte sich anmutig wie der Löwe auf der Jagd, so leicht und unangreifbar wie die Wolken am Himmel, und so zart und zerbrechlich wie der Finger einer alten Frau. Es war, als wäre zwischen den toten Bäumen eine öffnung in die Erde gerissen worden, und in Form einer Frau erschien dort ihre Magie. Sie sang. Es war die Stimme der Erde, von der wir kommen und zu der wir gehen. Sie sang ein fremdes Lied. Sie sang von all den Dingen, die auf ihr passierten, von all dem Leid auf ihren Schultern, von all dem Glück in ihrem Herzen, von Frühling, Sommer, Herbst und Tod - und dann von Neuem, wieder und wieder und immer wieder. Ihre Stimme war so wundersam wie ihre Erscheinung, sie erfüllte die gesamte Welt.

Es war dem Jungen wie ein Traum. Und als er schließlich erwachte, da hatten die Weißen die meisten ihrer Maschinen und Tücher längst wieder zusammengepackt, und auch die magische Erscheinung war verschwunden. Zuletzt war es der Mann mit dem Hut, der Lehrer, der an dem Jungen vorbei in eines der Autos stieg. Einen Augenblick lang blieb er stehen. Er nahm den Hut herunter, er lächelte. Er strich dem Jungen mit einer arbeitsrauen Hand über das krause Haar. Dann fuhren sie davon und bald waren die Spuren ihrer Autos wie die Finger eines Gottes weit entfernt. Und dann war da nichts mehr, nur der Junge, nur die Bäume am Horizont, nur der Termitenbau, und ein langer, schemenhafter Streifen zwischen Himmel und Erde.

Sie kamen nicht wieder, weder die Autos mit den weißen Männern, weder das Insekt, noch die zauberhafte Mutter Erde. Der Junge fand auch keinen Riss im Boden, wo sie zwischen den Bäumen gestanden hatte. Auch die Bäume waren verschwunden. Die Weißen hatten sie eingepackt und mitgenommen. Es blieben nichts als Spuren im Staub, und auch diese konnten die Nacht nicht überdauern.

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Das Mädchen mit dem Schmetterling

Als Ageha wieder erwacht, liegt der Fürst tot neben ihr und ein langer Pfeil ragt ihm aus der Brust.

Als der Fürst jedoch erwacht, da sitzt er auf dem Grund des Ozeans, doch er erkennt ihn nicht. Auch das viele Wasser um ihn herum nimmt er nicht wahr.

Er steht auf und spaziert los. Er hat keine Eile, denn irgendwie spürt er, dass die Zeit für ihn jegliche Relevanz verloren hat. Er läuft lange umher, Tage oder Wochen, und als er sich sicher ist, alleine in dieser seltsamen Welt gefangen zu sein, da hört er plötzlich eine Kinderstimme: "Hallo."

Der Fürst blickt in Richtung der Stimme, und da sitzt ein kleines Mädchen in einem weißen Kleid mitten im Nichts. Sie lächelt selbstbewusst und hebt die Hand zum Gruß. Um ihren Zeigefinger hat sie eine Schnur gebunden und zwei Schwertlängen über ihr, am Ende der Schnur, da flattert ein kleiner bunter Schmetterling.

"Wer bist du?" fragt Fürst Nikamoto nachdem er sich ehrenhaft verneigt hat vor der Kleinen.
"Ein Kind bin ich," entgegnet diese, doch der Tonfall und ihre schwarzen Augen verraten etwas anderes.
"Und was hast du da für einen hübschen Schmetterling? Er könnte fast ein kleiner Drache sein."
Das Kind scheint eine bösartige Freude an diesem Gedanken zu haben, und nach einer Weile sagt es: "Das, mein Freund, ist eine gute Idee. Setz dich zu mir."

Sie deutet mit der offenen Hand auf eine beliebige Stelle neben sich. Doch so wie sie dasitzt ist ihrer der Platz des Herrschenden und alle anderen scheinen in ihren Augen kaum etwas wert. Auch wenn es an der Landschaft keine Anhaltspunkte dafür gibt, bemerkt es Fürst Nikamoto doch ganz deutlich, der zum ersten Mal seit langer Zeit nicht den Platz im Mittelpunkt einzunehmen hatte. "Mir ist so elend öd hier unten. Unterhalte mich."

"Wo sind wir überhaupt, mein Kind?" fragt der Fürst und übergeht somit die Bitte des kleinen Mädchens.
Das Mädchen lacht kurz auf, als wäre diese Frage dumm und unverständlich. "Wir sind hier auf dem Meeresgrund."
"Auf dem Meeresgrund?" fragt der Fürst ungläubig.
"Du bist tot."
"Tot?"
"Ja, tot. Du bist ein Irrlicht, das passiert manchmal. Weißt du, wenn ein Mensch, ein Tier oder eine Pflanze stirbt, dann verrottet der Körper in der Erde und die Seele verrottet im Wasser. Eine Seele ist nichts anderes als ein Sammelsurium einfacher Gedanken. Ideen meinetwegen. Und Wasser bindet Gedanken. Wenn also der Nebel frühmorgens aufsteigt, und dass weißt du, dann trägt er die Seelen der Verstorbenen mit sich. Diese sind aber flüchtig und verschwinden bald in einem großen Gemisch aus den einzelnen Gedanken, die letztendlich hernieder regnen und die Seen, die Flüsse und das Meer bevölkern. Weiter oben in jüngerem Wasser kannst du sie sogar noch flüstern hören, doch hier unten sind die Gedanken so alt, dass sie noch keine Sprache hatten, in der sie sich manifestieren konnten. Deshalb ist es so ruhig hier unten."
"Woher weißt du das alles?" Fürst Nikamoto war kein leichtgläubiger Mensch gewesen, doch er merkt an der Art wie sie spricht, dass sie die Wahrheit sagt.
"Ich bin schließlich älter als der älteste Tropfen Wasser. Da muss ich es wissen."
"Aber du hast gesagt, du bist ein Kind. Und ein Kind ist es, was ich hier vor mir sehe."
"Ich bin ein Kind, mein Freund. Doch sei vorsichtig mit den Maßstäben, die du anlegst."
"Was ist dann mit mir? Ich habe mich nicht aufgelöst und mit allen ... anderen vermengt. Ich denke noch immer so, wie ich vor meinem Tod gedacht habe, dessen bin ich mir sicher."

Das Mädchen sitzt gemütlich da, die Hände im Schoß und lächelt sanft. Der Schmetterling über ihr schlägt zwar mit den Flügeln, doch bewegt er sich nicht und schlägt keine Wellen. Auch der Faden bewegt sich nicht. "Du bist ein Irrlicht."

"Ein Irrlicht? Was bedeutet das?"
"Worte sind wie kleine Kinder, tun sie doch nur was sie wollen, was sie sollen tun sie nicht."
"Sprich nicht in Rätseln die ich nicht lösen kann," entgegnet der Fürst mit stolzer Stimme. "Messe auch du mich mit den passenden Maßstäben."
"Gut." Das Mädchen scheint sich diesmal ehrlich zu freuen über Yoshishige Nikamotos Antwort. "Ich will dir damit sagen, dass es keine Worte gibt, mit denen ich es dir erklären kann. Und die Beschreibung Irrlicht birgt ein Irrlicht in sich selbst."
"Auch du scheinst mir ein Irrlicht," entgegnet der Fürst zerknirscht.
"Nein mein Freund. Ich bin nur ein kleines Mädchen."
"Ein kleines Mädchen sagst du? Ich habe die ältesten Weisen meines Landes reden hören, doch waren ihre Wege weit weniger verschlungen."
"Ihre Wege sind Irrwege." Das Mädchen hebt die rechte Hand und bewegt sie hin und her. Sofort muss der arme Schmetterling wilde Kurven fliegen, da er ja am Ende des Fadens Hängt, der mit einer feinsäuberlichen Schleife an ihrem Finger befestigt ist. "Und keine Wege sind verschlungener, wie du siehst."
"Ich sehe einen Schmetterling der nicht fliegen kann wohin er will."
"Gar nichts siehst du!" ruft das kleine Mädchen wutentbrannt und eine kleine Wolke schwarzen Rauchs entflieht aus ihrer Nase. Doch im nächsten Moment ist sie wieder gefasst. "Du meinst zu sehen, doch liegen deine toten Augen weit entfernt. Wie glaubst du also sehen zu können, wenn du keine Augen mehr hast mit denen du sehen kannst?"
"Aber ich sehe den Boden, den Meeresgrund, und ich sehe dich."
"Ihr Menschen wart schon immer etwas einfältig, mein lieber Freund."
"Du bist also kein Mensch?"
"Können Menschen älter sein als die Welt in der sie leben?"
"Was bist du dann?"
"Ich bin einer der Vier. Zwei leben im Wasser, Kirin und der Drache, der Phönix beherrscht die Lüfte und die Schildkröte lebt an Land. Such es dir aus was ich bin, Fisch oder Drache?" Das kleine Mädchen öffnet den Mund so weit, dass er hätte zerreißen müssen, und Nikamoto sieht das Drachenfeuer tief in ihrer Kehle brodeln.

"Ich sitze einem Drachen gegenüber. Einem Drachen in Gestalt eines kleinen Mädchens. Oh liebliches Japan, was ist nur mit mir geschehen?"

Das Mädchen steht auf, und als es steht da entfalten sich mächtige Flügel an seinem Rücken. Es streckt sich und wird zum Drachen. "Selbst das ist nicht meine wahre Gestalt," donnert das Ungetüm, setzt sich wieder und wird zu dem kleinen Kind, das es vorher war. "Siehst du, mein Freund, deine Seele ist in der Lage mehr zu sehen als tote Augen am Strand. Deutlicher."

Nikamoto sagt nichts. Er ist bleich geworden, als hätte er das Bleipulver der noblen Damen im Gesicht. Erst nach einer Weile findet er wieder Worte: "Warum bin ich hier?"

"Vielleicht ist es Zufall, vielleicht hast du noch etwas zu erledigen in der Welt der Lebenden."
"Etwas zu erledigen?"
"Erinnere dich, wenn du kannst. Es ist ganz einfach."
"Aber ich erinnere mich nicht."
"Doch, ich glaube schon." Das Drachenmädchen sieht ihn an, als könne es seine Gedanken lesen. Und wer weiß, vielleicht kann es das auch. "Du magst vielleicht keine Bilder sehen, deshalb erinnere dich mit deinem Herzen. Und es gibt nur zwei Möglichkeiten für dich."
"Welche Möglichkeiten sind das?"
"Wenn du ein Irrlicht bist, das nichts mehr zu erledigen hat, dann bleibst du auf ewig hier unten. Und ich schwöre dir, ich werde auch in anderen Launen mit anderen Erscheinungsformen toben."
"Und was ist ... was, wenn ich eine Aufgabe habe?"
"Das will ich dir wünschen, denn du bist eine gute Seele. Wenn du eine Aufgabe hast, dann erinnere dich, und die Gedanken um uns herum werden so berührt von deinem Schicksal sein, dass sie dich zurück an Land tragen, wo du solange im Halbschatten des Todes umherwandeln wirst, bis deine Aufgabe erfüllt ist." Das kleine Mädchen steht auf und hält die rechte Hand zur Seite als trüge sie einen Ballon am Finger und keinen Schmetterling. Beim gehen sagt sie noch dies: "Ist deine Aufgabe erfüllt, so kehrst du ins Meer zurück und die Gedanken deiner Seele gehen den Weg, der ihnen von jeher vorherbestimmt war."

Fürst Nikamoto ist nun allein mit seinen Gedanken. Er wandert wieder umher, denkt nach, über die seltsame Begegnung mit dem Kinderdrachen, und bald erinnert er sich tatsächlich an sein Leben. Nicht in Bildern, wie sie es sagte, sondern im Herzen: Er spürt Liebe und Freundschaft, Trauer, Hass und Verrat, und er will schreien und weinen und ein Schwert gegen das Unrecht heben. Die Gedanken um ihn geraten in Wallung, als hätten sie vom Anbeginn der Zeit auf eben jenen Moment gewartet, sie reißen ihn mit sich und es entsteht ein gewaltiger Tsunami, der Fürst Nikamotos Seele an Land spült.

Zu seiner Aufgabe. In eine andere Geschichte.

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Der Dattelbaum

Es wuchs ein Dattelbaum in Khuzestan, nahe einem großen Fels, so dass er den ganzen Tag von der Sonne beschienen war, während der Mittagshitze jedoch im günstigen Schatten des Felsens stand. Der Dattelbaum gedieh ganz wunderbar, seine Früchte waren so satt und prächtig wie bei keinem zweiten seiner Art, und viele Tiere und Insekten ernährten sich von ihm.

Es war schon die ein oder andere überreife Frucht aus seinem Geäst herab einem hungrigen Käfer auf den Kopf gefallen – was für diesen den sicheren Tod bedeutete – doch mochte man den Dattelbaum deswegen keineswegs als ‚böse’ bezeichnen. Ganz im Gegenteil: Sein Gemüt war geduldig und genügsam, sofern er denn eines hatte, und in einer Gesellschaft der Dattelbäume wäre er bestimmt ein großer Philosoph geworden.

Ein weitaus kleinerer Philosoph war der Stammesfürst Seyyed Ali Chan bin Sololrhat, der die Glückseligkeit im Morden und Erobern suchte. Chan war ein großer Schrecken für die Menschheit und im gesamten Orient erzitterten die Leute allein bei seinem Namen! In manchen Dörfern und Oasen war es gar mit Strafe belegt, ihn offen auszusprechen, da man glaubte, der Wüstenwind könne die Worte geradewegs zum Gefürchteten tragen.

Diese Furcht war durchaus berechtigt, denn Seyyed Ali Chan hatte so große Ohren, dass er mit ihnen noch Meilen entfernt das frisch gestillte Junge einer Wüstenspringmaus rülpsen hörte, wenn er es nur wollte.

Seine Erscheinung war furchtbar, wie er all abendlich nach Einbruch der Dunkelheit lauschend in der Wüste stand, gierig nach dem Blut und Gold anderer Leute, und nicht minder darauf bedacht, deren Sklaven und Weiber unter seine höchst herzlose Herrschaft zu zwingen. Für diese armen Gestalten bedeutete es nicht weniger, als dass er ihnen schon beim geringsten ärger mit bloßer Hand die Köpfe von den zuckenden Leibern riss.

Nicht nur die großen Ohren Seyyed Ali Chans verhinderten jegliche Schönheit, dazu kam ein zerfurchtes Knubbelgesicht, welches zur Hälfte hinter einem schwarzen Schnurrbart steckte, ungezählte Warzen umrandeten seine bösen Augen, Pranken, so groß wie das Gesicht eines Kamels. Von der Statur her war der Stammesfürst mehr Troll als Mensch, gehüllt in eine Lederkluft, die starr vor Dreck schon seit Jahrzehnten an seinem Körper klebte, und um den Hals da trug er eine Kette, geflochten aus den Sehnen seiner unseligen Opfer, und behangen mit den Knochen ihrer Finger. Die Knochen erzitterten beim Klang des Namens Seyyed Ali Chan, so schrecklich war der Tod ihrer Besitzer gewesen. Und würden ihn seine Stammesgenossen nicht

„Herr“

sondern beim Namen nennen, so hätte ihn das ewige Geklapper schon längst um den Verstand gebracht.

Die wilde Horde um den argen Tyrannen zog nun schon seit langer Zeit durch die Wüste, Waren, Geld und Leben raubend, wie es zuletzt die Kreuzritter taten, und nicht nur Dörfer und Oasen litten unter ihnen, auch unzählige Karawanen gerieten in der offenen Wüste und im südlichen Gebirge in Chans Hinterhalt. Die wandernden Händler bevorzugten deshalb nun die nördlicheren Regionen des Orients, in denen sich der Stammesfürst und seine Horde selten blicken ließen. Und in der Stadt Gamirun, im Süden, wurde bald kein einziger Händler mehr gesehen.

Dem Hesamolsaltane von Gamirun war dieser Umstand ein ganz arger Dorn im Auge, denn Gamirun war eine Handelsstadt, einstmals reich und ohne Sorgen, und obwohl sie am Meer lag und einen großen Hafen hatte, konnte man die Ausfälle nicht gänzlich kompensieren, die Chans Schrecken gerissen hatte. Der Hesamolsaltane von Gamirun wurde von Tag zu Tag zorniger, und so kam es, wie es kommen musste...

Wie wir wissen stand ein Dattelbaum in Khuzestan, glücklich und zufrieden und von den Menschen nie entdeckt. Doch eines Tages stand links von ihm Seyyed Ali Chan und mehr als siebentausend seiner Krieger. Diesem gegenüber, vom Dattelbaum aus rechter Hand, da stand das 13.000 köpfige Söldnerheer des Hesamolsaltanes von Gamirun unter Gottes weitem Himmel, und ehe man sich versah, tobte eine Schlacht von ganz fürchterlicher Dimension: Pfeile regneten herab wie totes Laub und richteten Mensch und Tier schon bevor sich beide Heere im wilden Tanz vermengten. Kurz darauf trafen die ersten Krieger aufeinander und auf beiden Seiten wurden die Waffen mit loderndem Hass geführt. Reiter auf Kamelen und zu Pferde pflügten durch die gegnerischen Reihen, Fußsoldaten hieben erbarmungslos aufeinander ein, die Krummschwerter schwingend, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes geschwungen, und selbst die hohen Herren Kommandeure wurden von dem Wahn gepackt, der sie mitten hinein trieb, in die fürchterliche Schlacht.

Bald hatte die Wüste jede Menge Blut getrunken, und als sich die Sonne längst abgewandt hatte, von diesem grausigen Spiel, da standen sich Seyyed Ali Chan und der Hesamolsaltane von Gamirun gegenüber, gerade am Dattelbaum. Weil beide Monarchen waren kämpften sie in ihrer Feigheit mit vergifteter Klinge. Sie tänzelten umeinander, versuchten es hier und da, und als der Hesamolsaltane zum tödlichen Streich ausholte, da ritzte er mit der Klinge seines Krummschwertes einen feinen Strich in die Rinde des Baumes direkt hinter sich...

Chan und der Hesamolsaltane starben gemeinsam. Der Dattelbaum aber, im kriegerischen Wahn von den Menschen vergiftet, steht noch heute nahe dem großen Fels. Doch in seinem Inneren, da trägt er seit jener hasserfüllten Nacht ein anderes Gemüt, und wer nun von seinen prächtigen Früchten nascht, der fällt in einen Schlaf ohne Wiederkehr.

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Der Junge und der Strudel

Es ist kein düsterer Geselle, der uns packt und schüttelt, der uns neckt und rüttelt, unsre Seele wie ein Erdbebengebiet zerpflückt, zerhackt und schabernackt, wo er nur kann. Oh nein, er ist nicht düster, weder dunkelgrün, noch Anthrazit, auch nicht marineblau ist das, was uns die Haut der Gänse auf die Arme treibt. Es ist von farbloser Natur...

Da steht der Kleine mit den schwarzen Haaren neben einem Wagen, doch der Wagen steht zerbeult auf seinem Dach, sofern die Welt samt Jungen nicht den Kopfstand macht und nur der Wagen lacht und sagt: "Ich bin alt, zerbeult, und doch der einzige, der weiß wo Oben und wo Unten ist." Der Junge blickt aufs schäumend Meer hinaus, die Augen schmal, und angestrengt, beobachtet den Strudel, der dort draußen wütet wie in einer lecken Wanne; nur, ein wenig größer, etwas böser ist der Strudel, wie er um sich greift und gierig schlingt, sich freut, wenn wieder mal ein Schiff versinkt.

Der Junge blinzelt mit den Augen, mit den Wimpern, meine ich. Ihn freut das Schauspiel, das geboten von der Mischung Mensch-Natur, die gar nicht miteinander kann, als wären sie zu lang verheiratet, seine neugierige Seele füttert. Und doch ist etwas Mulmiges dabei, so weiß das Kind doch von dem Vater, der dort draußen auf dem wilden Wasser schwimmt, in einem kleinen Fischerboot. Ihn muss es ganz schön rütteln, denkt das Kind, und sieht den Vater förmlich mit der einen Hand das Boot und mit der andren Hand sich selbst beschützen - und der feine weiße Bart vibriert! Das macht den Jungen stolz, wie er dem Wasserwirbel trotzt.

Doch plötzlich geht ein Ruck durchs Boot, es muss ein Kriegsschiff aus Metall unter der Oberfläche - längst versunken, schwächer als des Vaters Boot - gegen den Rumpf gestoßen sein. Der Vater schwankt, die Hand, die Hand für sich, nicht die fürs Boot, verliert den Halt...

Das Kind steht an Land, nur einen Riesenschritt vom Meer entfernt, die Füße nackt im Schrott. Es saugt mit den blanken Sohlen jeden guten Geist, den es nur finden kann, in seine Adern. Diese reagieren prompt und Kiemen wachsen ihm und Schwimmhäute, am bloßen Rücken Mottenflügel, die kurz üben und ihn dann über den Strand, über die Grenze zwischen Meer und Land zum Boot des Vaters tragen.

Das Boot ist eine rote Blase, nein, ein rotes Ei. Es ist gekentert. Der Junge wirft die Mottenflügel ab und stürzt hinab, am Rand des Strudels, in dessen Bahn des Vaters Schiff gefangen ist. Dann peitscht ihm kühles Wasser ins Gesicht, er taucht hinab, die Zehen werden ihm zu kleinen Flossen wie beim Fetzenfisch, er schwimmt, er taucht hinab und atmet durch die Kiemen. Er sieht sehr gut, er hat ovale Augen.

Partikel sind im Meer, Plankton und Krebse, Bruchstücke vom Kriegsschiff und von der Besatzung. Die Haie tummeln sich darin. Der Junge taucht und taucht, er spürt den Vater in der Nähe. Da ist er!

Wie ein Geist, die Füße streben gen Grund, die Arme sind nach oben ausgestreckt, sinkt der Vater ruhig hinab, von keinem Hai entdeckt. Er will den Vater packen - der feine weiße Bart streicht über die Augen. Und da hat er ihn am Schopf und zieht, den Kopf nach oben fliegt... Der Junge aus dem Strudel.

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Der Kesselkobold

Einst saß zu Haus, vor siedend Kessel | ein so armes, krank's Figürchen,
hatt' nur eine Kerze an und | abgeschlossen hatt's das Türchen.

Es murmelt' seltsam fremde Silben | alt, aus andrer Dynastie,
murmelt' mit dem Finger folgend | so vermurmelt' es sich nie.

Währendbei da rührt es eifrig | in dem Kessel auf dem Feuer,
rührt und murmelt, murmelt, rühret | ja, beschwört: ein Ungeheuer!

Und nach dunklen, heißen Stunden | ganz verklebt ist's mitlerweile,
steigt ein Wesen aus dem Kessel | fragt: "Hey-ho, was soll die Eile?"

"Krank bin ich, und todgeweiht," | sagt's Figürchen, rot die Ohren,
und der Schweiß, mal kalt, mal heiß | schießt aus all den seinen Poren.

"Krank, mein Freund, was soll ich tun? | Soll ich Dich zum Doktor bringen?
Soll ich Dir an Deinem Bette | gar ein süßes Liedlein singen?"

"Nein, oh nein, ich hätt' doch nicht," | gibt's Figürchen eilig wider,
"Dich beschworen, dunkles Wesen | aus des Teufels Mutters Mieder,

nur um mir ein Lied zu singen | heißen Ingwertee zu bringen, neeiinn,
mich graust es, bald zu sterben | so lasse mich unsterblich werden."

"Unsterblich?" lacht das dunkle Wesen | während's überm Kessel schwebet,
"fragt mich einer, der ansonsten | zu dem heilig Herrgott betet?

Ha! Das soll Dich ernst was kosten | dieser Wunsch ist ausgewachsen,
Deine Seele soll im Zweifel | mir gehören, keine Faxen!"

Ein Sekündlein guckt's Figürchen | auf den Deibel über'm Brodeln,
dann beginnt's wie völlig irre | freudig "Ja! Oh ja!" zu jodeln,

sagt dem Deibel, was auch immer | er sich wünscht sei ihm genehm,
er soll es sagen, er soll bleiben | alles locker, kein Problem!

"Gut, mein Junge, diese Brühe | voller Kinderaug' und -Arm,
trink sie aus, ein jeden Tropf' | die nächste Stund' noch ist sie warm.

Hast die Brühe leergetrunken | wirst, mein Freund, unsterblich sein,"
rief der Deibel zum Figürchen | dreht' sich um und kehrte Heim

(meint)

Kaum gesagt, war er verschwunden | nur ein kleiner Blitz und weg
war der durch die Brüh' beschwor'ne | böse Geist - dies Sakrileg!

Unser Figürchen trank das Bräu | wie befohlen, auf den Tropfen,
ein Gemisch aus Blut und Eiter | nicht aus Malz und nicht aus Hopfen;

Und als der letzte Schluck getilgt | als der Kessel leer und trocken,
- pflopp! - da tat statt uns'rem Freund | ein Pilz in finst'rer Stube hocken.

Und die Moral von der Geschicht'? | Der Pilz, der kennt das Altern nicht.

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Der Stadthalter von Dschiddah

In Dschiddah nahe Mekka saß ein Bettler unter einer Palme. Er hatte den Rücken gen Osten gewandt und vor ihm auf dem Boden lag ein zerrissenes Tuch, dass mit ein paar wenigen Münzen, Datteln und sonstigem Klimbim gefüllt seine ganze Habe war. Der Bettler war alt und verbraucht und sein Blick verriet ein hartes, schmerzerfülltes Leben. Es schien, als würde er einzig von der salzigen Meeresluft am Leben gehalten, so sehr fehlte ihm das polsternde Fleisch zwischen Haut und Knochen. Die Palme, an die er sich lehnte, stand im Schilfdickicht an einem schmalen Pfad, nur wenige Hundert Meter vom Roten Meer entfernt und meist waren es auswärtige Kaufleute auf dem Weg zum Markt, die ihm hier die ein oder andere Münze ließen.

Eines Tages, als der Bettler mit geneigtem Kopf sein Dasein frönte, da legte sich ein Schatten vor die grelle Sonne. Der Bettler wartete geduldig und hatte den Dankesspruch schon auf den Lippen, doch wollte keine einzige Münze geflogen kommen. Nicht einmal eine Dattel, Wasser oder ein wenig Dörrfleisch schien sein Gegenüber für ihn übrig zu haben. Dies wunderte den Bettler sehr und nachdem einige Augenblicke verstrichen waren, da hob er den Kopf, um zu sehen wer vor ihm stand. Es war der Stadthalter von Dschiddah, stolz und erhaben und die Sonne zeichnete eine gar göttliche Aura um seine Erscheinung.

"Alter Mann, du sitzt hier so elend in meiner Stadt, dass mir das Herzen ganz schwer wird," sagte der Stadthalter, nachdem er den armen Alten noch eine Weile gemustert hatte.
"Ein jeder hat sein Schicksal, Herr," erwiderte der Bettler ohne Scham. "Seid nicht betrübt über das meinige, denn ich habe es verdient."
"Verdient, mein Freund?"
"Herr." Der Bettler suchte verzweifelt nach den richtigen Worten, doch als er sie fand, da waren sie so einfach und klar, dass sein armes altes Herz darüber beinahe zersprungen wäre: "Ich habe Schlechtes getan und deshalb ist mir Schlechtes widerfahren," erklärte er mit zitternder Stimme und Tränen in den trüben Augen.
"Du redest in Demut wie nur wenige unter Gottes weitem Himmel. Selbst erklärte Edelleute hört man meist nur über die eigenen Sorgen diskutieren und so bezweifle ich, dass du es tatsächlich verdienst, hier zu sitzen und die Hand nach etwas Brot und Münzen auszustrecken."

'Woher soll er es auch wissen,' dachte der Bettler und so erzählte er dem Stadthalter von Dschiddah seine traurige Geschichte:

"Ich habe meine kleine Tochter ersäuft, weil sie kein Junge war, und ich habe meine Frau verstoßen, denn sie wollte mir nur dieses eine Kindlein schenken. Und als dies geschah, da waren wir von unsrer weit entfernten Heimat Ankara gerade aufgebrochen, den Pilgerweg nach Mekka zu bestreiten. Ich pilgerte weiter, doch eines Abends in der Wüste kam Allah zu mir in mein Zelt. Er untersagte mir seine geweihten Stätten zu betreten und mein hilfesuchendes Wort an ihn zu richten, bevor ich meine gewaltige Schuld nicht abbezahlt habe. Mein Herr, ich habe seit mehr als 20 Jahren keine Moschee mehr betreten und ich habe ebenso lange nicht zu meinem Gott gebetet. Seit jenem Tag habe ich meinen Blick nicht nach Osten gewandt."
"Mit dem Rücken nach Mekka sitzen, das hat der Herr dir auch befohlen?" fragte der Stadthalter zweifelnd.
"Nein, Herr," entgegnete der Alte. "Doch bin ich wegen meiner großen Schuld zum Bettler geworden und ich möchte mein Bettelhaupt nicht gen Mekka neigen und meine Bettelhand nicht meinem Herrn entgegenstrecken, denn ich bin nicht würdig und mein Anblick wäre eine Beleidigung für ihn."

Der Bettler senkte das Haupt und legte seine Hände schützend auf den Hinterkopf, denn der Stadthalter von Dschiddah war dafür bekannt, schlechte Taten mit dem Stock zu bestrafen.

"Sieh mich an," befahl der Stadthalter mit strengem Ton. Der Bettler tat wie ihm gehießen und da sah er göttlichen Glanz in den Augen seines Gegenüber und auch die Stimme hatte sich verändert. Allah höchst selbst, erschienen in Gestalt des Stadthalters von Dschiddah, kniete sich nun nieder, legte die Hand auf die Schulter des Alten und flüsterte ihm sanft ins Ohr:

"Du hast ein arges übel deinen Leuten angetan, doch hast du lange Zeit dafür bezahlt. Wie kaum ein anderer hast du die Zeit genutzt, die ich dir mit meiner Strafe schenkte. Dein schwerer Weg soll nun zu Ende sein, alter Mann, denn ich sehe Reue tief in deinem Herzen."

Für das alte Herz des Bettlers war es des Glücks zuviel und so starb er noch an Ort und Stelle, mit dem Rücken gen Osten und ohne jemals Mekka erreicht zu haben.

Doch seine Schuld war gesühnt.

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Die Augenwischersalbe

Der König hatte ein Problem, das drückte ihn ganz arg im Schuh. Sein Reichtum war groß, sein Schloss war noch größer und er hatte eine wunderschöne Königin, die ihm zu aller Zeit ergeben war. Die Narren und der Hofstaat wollten, dass es ihm gut geht und sie taten, was er wünschte, doch es machte ihn nicht glücklich. Der König wollte immer gern die Stadt besuchen, wollte jeden Zehnten und zu Festtagen, von denen es fast immer welche gab, da wollte er sogar den Fünften haben. Der eigene Reichtum war sein Glück, die Armut aber wollte er nicht sehen, das war sein Problem.

Also rief er nach den schlauesten und gottesfürchtigsten Edelmännern im Land, sie mögen ihm eine Lösung anbieten.

Es kamen nur wenige Edelmänner, denn der König mochte keine Edelmänner - sie raubten ihm den Reichtum. Aber sie kamen allesamt und machten Vorschläge, die nur ihnen selbst zum Vorteil gereicht, dem König aber keine Linderung seines Leidens gebracht hätte. Das verdross ihn so sehr, dass er lange mit sich haderte und viele schlaflose Nächte ertragen musste.

In einer dieser Nächte rumpelte es plötzlich ganz arg im Kamin, der nicht befeuert war, denn es war Sommer, und als der König eine Kerze entzündete und nachsehen wollte, da stand ein kleines Männelein mit dürren Beinen und spitzem Gesicht in seinem Gemach, ganz schwarz vom Ruß und mit einem Grinsen, so weiß und leuchtend wie der Mond.

"Wer bist du?" fragte der König und das Männelein antwortete:
"Das sag ich nicht, das sag ich nicht!" und hüpfte hin und her wie ein Derwisch.
"Was willst du?" probierte der König eine andere Frage.
"Das..." entgegnete das Männelein und blieb stehen und sah dem König in die Augen, "...das ist schon was anderes. Räusper, räusper, ich will Deine Tochter zur Frau haben und mit ihr im Wald und in den Beerensträuchern wohnen."

Das erzürnte den König sehr, so dass er das Männelein packen und schütteln wollte, doch das Männelein war flink, und ehe er sich versah, hockte es schon und wippte im Kronleuchter. "Aber ich biete Dir einen Tausch an, großer König!" rief es von da oben herunter.
"Was für einen Tausch?" Der König war ein Mann der Geschäfte, und gegen Edelsteine wollte er es sich schon überlegen, ob er die Tochter dem Männelein gab.
"Ich mach, dass Du die armen Leute, diese Bettler und Lumpen, die dein Königreich so häßlich anzusehen machen, nie mehr blicken musst. Dann gibst Du mir die schöne Tochter, Dein!"

Und so war es ausgemacht.

Das Männelein verschwand mit dem Hinweis, der König solle nun schlafen gehen und am Morgen, wenn er erwachte, auf den Nachttisch sehen. Dort läge etwas, und das solle er benützen. Am Morgen erwachte der König und fand ein kleines Tongefäß mit einer Salbe darin auf seinem Tisch. Daneben lag ein kleines Zettelchen und auf dem stand:

"Oh, großer König, schmiere diese Salbe auf den Zeige- und den Mittelfinger Deiner rechten und Deiner linken Hand. Wenn Du einen armen Menschen erblickst, dann wische Dir mit den gesalbten Fingern über die Augen und Du wirst den armen Menschen und auch alle anderen nie mehr sehen müssen."

Der König wollte das nun sofort ausprobieren und er schmierte sich die Salbe ordentlich und dick auf die besagten vier Finger. Er verließ seine Burg und ging hinaus auf die Felder, von seiner Leibgarde beschützt. Nach einer Weile des Spazierens entdeckte er ein sehr junges und sehr armes Mädchen. Er stellte sich vor sie hin, sah sie und ihre fürchterliche Armut an und letztlich wischte er sich, wie es die Anleitung empfohlen hatte, von der Nasenwurzel her und zu den Schläfen hin über seine Augen.

Das Mädchen aber, das den König aufmerksam betrachtete, schrie laut auf, denn wie er sich über die Augen wischte, wischte er die Augen einfach fort, als wäre sein Gesicht ein Ölgemälde und die Ölfarben noch frisch. Die Augen kamen nicht mehr wieder, da konnte er wischen, wie er mochte, und er wischte über eine Stunde wahrlich rasend.

Es nützte alles nichts, so hatte er nicht nur sein Augenlicht verloren, sondern auch die Tochter. Denn ein Versprechen musste eingelöst werden, das Männelein hatte ja auf seine Art und Weise recht gehabt. Und als der König das Männelein, als der König ihm die Tochter gab, fragte, ob es nicht noch eine andere Möglichkeit gegeben hätte, da weinte die Tochter und die wunderschöne Königin, die weinte auch. Das Männelein aber lachte und hob den Zeigefinger und sprach: "Nur wer blind ist sieht die Armut nicht, nur wer blind ist sieht sie nicht!" Dann verschwanden er und seine Angetraute im Wald und in den Beerensträuchern.

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Die Kammer

Abdul-Malik bin Khuzayma bin Bahir Al-Edlah, ein Sohn der Wüste Nafud, hatte in seinem Leben noch keine dreißig Sommer gesehen, und doch war er ein Meister der Grabräuberei. Schon beim Klang seines Namens erzitterten die Seelen der Toten, denn Abdul-Malik hatte einige von ihnen ins Unglück gestürzt. Seelen ohne Gräber, das sollte man vielleicht erwähnen, sind die Toten im Totenreich. Und da entweihte Gräber ihren Zweck nicht mehr erfüllen herrschte Angst und Schrecken unter den Seelen der Verstorbenen, wenn Abdul-Malik durch die Wüste ritt.

Großkönig Sapur I. von Persien, dessen sterbliches Gebein schon ein gutes Jahrtausend lang entseelt in güldenem Behälter lag, trommelte eines Tages den Altenrat der Toten zusammen und setzte den Kampf gegen den Grabräuber Al-Edlah auf Punkt eins der Tagesordnung.

„Sein lebendiges Gerippe soll erzittern, dass man das Klappern noch im fernen Indien zu hören bekommt,“ rief Sapur seinen Kollegen entgegen.
„Er soll erbleichen, auf dass die Sonne seine Haut nicht mehr mit Farbe beschenken kann,“ entgegnete Echnaton, der Pharao.
„Niemals wieder sollen seine schmutzigen Gedanken nach einem Grabschatz gieren,“ war auch die Meinung Alexander des Großen, dessen Grab besonders reich und gut versteckt unter der Erde lag.
„Bei der Ehre der wahrhaftig Gestorbenen,“ tönte bald der ganze Saal. „Al-Edlahs Verstand soll wie feinster Wüstensand durch unsre knochigen Finger rieseln.“

Eine Kammer wie diese hatte Abdul-Malik bin Khuzayma bin Bahir Al-Edlah noch nie gesehen, weder als Tuschezeichnung oder Wandmalerei, noch wahrhaftig mit seinen eigenen Augen. Nicht, dass sie so groß und prächtig gewesen wäre, ganz im Gegenteil: die Kammer war quadratisch und nicht länger als acht Schritte an jeder Seite und auch das Gold und Silber und die tönernen Behälter hier und da ließen einen höchst mittelmäßigen Reichtum vermuten. Und trotzdem haftete etwas Sonderbares an der Kammer, dessen sich Abdul-Malik nicht entziehen konnte.

„Schafft alles raus!“ befahl der Grabräubermeister und das gespenstische Echo seiner Stimme trieb die Träger zu Höchstleistungen. Er selbst trat an den Sarkophag heran, der mittig in der Kammer stand, und zückte Hammer und Meißel.

Tschalonk, tschalonk, hallte es im düsteren Gewölbe, und immer wieder: tschalonk, tschalonk. Bis tief in die Nacht hinein saßen die Träger draußen am Feuer, brieten Wüstenfuchs und Wachteleier und lauschten den Bemühungen ihres Herrn. Doch es sollte sich kein einziges kleines ‚Krrks’ zu dem ‚Tschalonk-tschalonk’ dazugesellen, und als nur noch die wenigsten der Träger ihrem Meister lauschten und die Morgenröte die Wüste in ein Meer aus Blut verwandelte, da trat Abdul-Malik aus dem Grab hervor, warf Hammer und Meißel in den Sand und rief: „Seht meine geschundenen Hände!“

Nach ein wenig Maulen und Murren hafteten zweiundzwanzig Augenpaare auf eben jenen Händen und Abdul-Malik erhob ein zweites Mal seine Stimme: „Seht Hammer und Meißel, die nicht weniger geschunden vor mir liegen. Mein Leben lang hab ich mit diesem Gerät Gräber geöffnet und sie haben niemals nur einen Kratzer davon getragen. Nun sind sie unbrauchbar.“

Die Blicke wanderten nun auf den Sand, wo Hammer und Meißel lagen als wären sie tote, vertrocknete Wüstentiere.

„Seht nun den Sarkophag dort unten. Er hat keinen Kratzer.“

Hier und da huschten Gesten gegen das Böse durch den aufkommenden Morgen und selbst die breitschultrigsten Halsabschneider unter ihnen wünschten sich zurück in die schützenden Arme ihrer Mütter.

„Doch will ich mich nicht geschlagen geben!“ Abdul-Malik hob die Faust und seine Männer fassten wieder Mut. „Gebt mir Pökelfleisch zu essen, und ein Brot und Ziegenmilch. Ich will zu Kräften kommen und dann ein zweites Mal hinab in diese Kammer steigen.“

Gesagt, getan, doch diesmal war der Grabräuber nicht mit Hammer und Meißel bewaffnet, sondern einzig mit dem Magier aus seiner Schar. Sie stiegen langsam in die Dunkelheit hinab, jeder eine Fackel in der Hand, und der Magier übersetzte die Schriftzeichen im Vorbeigehen, die an den Wänden der Gänge und Vorkammern prangten:

„Sei auf der Hut vor deiner selbst, wenn du nach dem Schatze eines Mannes gierst, der seinen Schatze mit sich nahm. Niemals wieder soll er die Sonne sehen, doch wirst du dem zuwiderhandeln, so wird sein Tode auch der deine sein. Viele sind gekommen zu Lebzeiten des Mannes, ihm zu nehmen was sein eigen er benennt, doch keiner kam mit Erfolg. So ist es mit der Macht, dass sie größer wird nach dem Tode. Es ist des Todes Tode wer sich anmaßt den Schatz nun an sich zu nehmen und es ist des Todes Leben wer davon ablässt in weiser Voraussicht.“

Sie standen nun am Eingang zur Grabkammer und der Magier, ein altes Gerippe und selbst schon mehr tot als lebendig, übersetzte auch die Inschrift über der schmalen Tür: „Hinter dieser Schwelle findest du den Tod, hinter dem Tod findest du nichts.“

„Was soll das heißen, Magier?“ fragte Abdul-Malik im Zorn. Er war kein Freund merkwürdiger Prophezeiungen, zumal er ihnen keinen Glauben schenkte.
„Es ist eine Botschaft, Herr,“ antwortete der Zaubermann. „Eine Botschaft der Toten an die Lebenden.“
„Pah.“ Abdul-Malik spuckte aus und betrat die Kammer mit festem Schritt. „Dein Zauber soll keine kleinen Kinder erschrecken, alter Mann. Du sollst mir diesen Sarkophag öffnen.“ Er schlug mit der flachen Hand auf dessen Deckel.
„So soll es sein,“ entgegnete der Magier und sprach die erste Zauberformel. Den ganzen Tag und die ganze Nacht meißelte er nun auf seine Art und Weise: blaue Blitze, Feuerkugeln, Stürme und Gewitter suchten die Kammer heim, Dschins und Kettengeister zerrten an den bronzenen Verschlüssen und selbst die Toten rief der Magier um Hilfe. Doch nützte alles nichts, und obwohl die Kammer hinterher ganz schwarz vor Ruß und von kleinen Kratern übersät war, blieb der Sarkophag doch unberührt.

Am nächsten Tag suchte Abdul-Malik die Gänge und Vorkammern und am Ende gar den Wüstensand nach einem Schlüssel ab, nach einer Formel oder sonstigen Hinweisen, doch fand er nichts. In der folgenden Nacht stieg er wieder in die Kammer, ein altes Buch in der Linken und ein Dutzend Kerzen in der Rechten. Er stellte die Kerzen auf den Sarkophag und suchte in dem Buch nach überlieferungen, die ihm einen Hinweis geben konnten. Doch nicht einmal der Magier hatte die Inschrift auf dem Sarkophag entziffern können, und als Abdul-Malik zur Zeit der Morgenröte seine Niederlage akzeptieren und die Kammer für immer verlassen wollte, da warf er einen letzten Blick auf den Sarkophag – und erstarrte.

Das Kerzenwachs war in die Ritzen und vermeintlichen Buchstaben auf dessen Deckel gelaufen und nun erkannte der Grabräuber was diese seltsamen Zeichen bedeuteten. Es handelte sich keineswegs um eine vergessene Schrift alter Tage, es war eine Zeichnung, unvollständig, Fragmente von einem Gesicht, welches nun durch das hinein gelaufene Kerzenwachs zu neuem Leben erwachte: es war das Gesicht Abdul-Malik bin Khuzayma bin Bahir Al-Edlahs, der sein eigenes Grab geschändet hatte und seiner Seele somit den Tod im Totenreich bescherte.

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Die Krone der Schöpfung

Das Weltall. Unendliche Breiten, Höhen und Tiefen. Nur dort dehnt sich das Nichts in alle Richtungen des erfassbaren Raums. Wenn man sich sehr weit auf einer der Achsen fortbewegt, soweit, dass man das Dehnen in jene Richtung erfahren kann, hört man es quietschen wie ein überspanntes Gummiseil. Ja, das Weltall quietscht. Und es ist das Nichts, das dieses Geräusch erzeugt.

Aber genug davon, nun möchten wir uns auf die Erde zu bewegen. Unter Jupiter hindurch getaucht, einer Hyperbel folgend in einen Asteroidenschwarm hinein, der einem Schwarm von Fischen ähnlich unsere Bewegung kreuzt. Es ist der Gürtel zwischen den Inneren und äußeren Planeten, und nicht einen Zehnten so dramatisch, wie man sich es vorstellt. 400.000 Objekte umfasst der Gürtel; bei einem Durchmesser von gut drei wahnwitzigen Längenmaßen ist er wahrlich nicht besonders eng geschnallt. Wir blicken nach links, sehen einen Punkt weit fort im All verschwinden. Vielleicht ist es Ida und Dactyl oder Paracelsus oder Balaton, aber wer kann das schon wissen. Überhaupt, wer will so etwas wissen?

Wir rasen weiter. Es ist kalt und leer. Altes Sternenlicht kämpft gegen tiefste Dunkelheit. Es ist ein aussichtsloser Kampf, ähnlich dem der Gier gegen sich selbst. Ja, die Romantik der Raumfahrt ist eine sehr einsame. Aliens gibt es oder gibt es nicht, doch der arme Raumfahrer, der nach ihnen sucht, nach langer Reise wird er nur einem fremden Wesen begegnen - dem alten Kerl im Spiegel. Dann blickt er wieder trostlos aus dem Fenster, wo er keine Berge, keine Wälder, keine Meere sieht, sondern das lachende, schwarze Unheil aus Phantasien. Und wenn er lauscht hört er im Kosmischen Rauschen die struppigen Haare des Gmork, wie sie sich an den Galaxien reiben. Und immer weiter fliegen wir, geradeaus, geradeaus, geradeaus...

Plötzlich kommt uns Phobos höllisch nahe, der eiförmige Mond des Mars. Er ist so nahe, dass wir die kleinen, flachen Krater erkennen, und diese ungewöhnlichen Einkerbungen, die erscheinen, als wären über Phobos riesige Dukaten gerollt, als er noch lehmig gewesen war. Und es mag sein, dass Geld ein außerirdischer Aggressor ist, Dukaten, Dollars, Rupien, Dinare, Pfennige und all die anderen Geschlechter. Es mag aber auch ein himmelschreiender Unsinn sein, den ich Euch erzähle.

Phobos lenkt uns ab, er zieht uns etwas aus der Bahn. Wir spüren die Gravitation des Mondes an unseren Körpern zerren, doch bevor es rummst, sind wir wieder frei. Wir zischen durch ein wahres Nichts an Schwebeteilchen, manche Mikrometer groß, manche zehntausend Kilometer. Es ist sehr angenehm, so vor sich hin zu zischen, und wir schließen die Augen und lassen geschehen, was geschehen soll.

Lange geschieht nichts.

Sehr lange.

Unglaublich lange.

Dann klatscht uns eine Dollarnote ins Gesicht. Irgend ein betuchter Astronaut hatte sie aus der damaligen Raumfähre geworfen, um sich und dem Urbumms irgend etwas zu beweisen. Vielleicht, so hatte der Astronaut überlegt, ist das Universum käuflich. Das war es nicht, vor allem nicht für einen Dollar, und er und seine sechs Kollegen waren beim Wiedereintritt in die Atmosphäre jämmerlich verglüht. Nur ein Lichtblitz, dann waren sie fort. Über Jahrzehnte sorgsam entwickelte Biomasse - einfach fortgeblitzt.

Wir öffnen die Augen, vor Schreck und Schmerz. Wir sehen nur Dunkelheit. Nachdem wir aber den Dollarschein von unseren Augen entfernt haben, strahlt und bläut die gute, alte Erde wie eine drogeneingeflöste Erscheinung. Der Mars ist vertrocknet, Venus und Merkur ebenfalls, Saturn und Jupiter sind aufgebläht, selbst die kleinen, Neptun und Uranus, tun es ihnen nach. Es ist eine traurige Familie, deren einziges Licht neben der Sonne die Erde ist - der Diamant im Hasenkot. Und in sie stürzen wir hinein, einen Dollar in der Hand.

Es wird heiß, urplötzlich, dann tritt ein fürchterliches Brüllen auf. Das Brüllen wird immens, die Hitze brennt, wir sind eben in die Mesosphäre eingetreten. Wir bremsen ab, schweben nun mit wenigen Stundenkilometern dem Erdboden entgegen. Erde, Boden, Grund; lange Zeit waren wir nicht mehr zu Hause. Wir läuten. An der Tür erwartet uns, mit schiefem aber herzlichem Lächeln, das wohlige Gefühl des Erkennens. Ja, dies ist die Erde, so riecht sie, so schmeckt sie, so zieht und zerrt und drückt und füllt sie Körper, Geist und Seele. Wir begegnen einem Adler, erst schwebt er unter uns, im nächsten Augenblick ist er schon vorbei. Und wieder haben wir eine Begegnung mit dem Geld! Tausende Yen flattern im Formationsflug in der Nähe. Wir fliegen nicht durch sie hindurch, doch als wir sie passieren, einen Sekundenflug entfernt, wechseln sie die Richtung und stürzen sich mit uns in die Tiefe. Sie sind Jäger, haben ein geschultes Auge. Irgendwo auf der Steppe, die nun erkennbar wird, muss ein armes Menschlein sein, das sie erlegen und verspeisen mögen. Sollen sie nur, der Unvorsichtige wird nun mal vom Geld vernichtet, das war schon immer so. Wir denken an immer.

Wir haben zu lange gedacht. Wir waren zu lange im All und hatten uns zu sehr an die dort herrschende Zeitlosigkeit gewöhnt. Wir sind zu Träumern geworden, denn dort draußen gab es nichts für uns als Tagträume und Träume. Deshalb krachen wir recht unsanft, einen Dollar in der Hand, mit dem Gesicht voran in einen Haufen Mist. Und es geht uns auf, wie ein Licht im Moment des Einschlags:

Der einzige Ort im unendlichen All, auf dem es mehr gibt, als Lava und Gestein, auf dem das Leben blüht, wird vom Geld regiert. Die Krone der Schöpfung hat sich der Dummheit unterworfen.

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Die Sultanstochter

Es lebte ein Sultan in der Wüste, in mitten einer großen Oase, um die mit der Zeit eine ganz ansehnliche Siedlung gewachsen war. Er hatte mehrere Söhne, aber nur eine einzige Tochter, deren Wohlergehen ihm ganz besonders am Herzen lag, denn sie war die schönste Tochter, wie sie sich ein jeder Mann nur wünschen konnte.

Der Sultan ging gerne in der Oase spazieren, allein mit sich und seinen Gedanken. Es war für seine Seele, wie ein ausgedehntes Bad in warmer Ziegenmilch für seinen Körper, und er hatte bei den abendlichen Spaziergängen schon manch guten Einfall gehabt. Und so schlenderte er auch an diesem Abend durch sein kleines Dschungelreich, liebkoste die ein oder anderen Pflanze mit zarter Hand und lauschte dem Treiben der Tiere und Insekten. Nach einiger Zeit hörte er das Geräusch von Raubtiertatzen, wenn sie sanft und elegant nach dem Sprung durch ein Gebüsch auf dem Wüstenboden landen. Rasch fuhr der Sultan herum, die Hand am Schwert und zum Kampfe bereit, doch was er sah, ließ ihn inne halten.

"Sultan. Oh mächtiger Beherrscher der Lebenden."

Eine alte, runzelige Frau die ihr leben wohl ohne Schatten gelebt hatte, so braungebrannt war ihre Haut, trat aus dem Dickicht heraus. Auf einen wohl ebenso alten, morschen Stock gestützt wackelte sie dem Sultan entgegen.

"Hört mich an, Herr." Der Sultan war ein gütiger Mann und so bedeutete er der Alten mit einer Geste, sie solle frei und unbekümmert sprechen.

"Herr, ich bin eine arme alte Vettel, die vom Leben nicht mehr viel erwartet. Doch habe ich einen Sohn, einen stattlichen Jungen, hübsch und mit zarten dunklen Locken und dem Verstand des Wüstenfuchses gesegnet. Er hat kräftige Hände und ist flink wie der Wind, und ich denke, gibt man ihm ein Schwert in die Hand und ein wenig übung damit, so wäre er in der Lage, viele fremde Länder zu erobern."
"Und sein Herz," entgegnete der Sultan argwöhnisch. "Wie steht es damit?"
"Ach Herr, sein Herzen ist so rein und edel, dass ich mich schämen muss vor ihm," entgegnete die Alte und blickte auf den Boden. "Ich weiß, mein Herr, Ihr habt nur eine einzige Tochter, von der man sagt, sie sei schön wie die aufgehenden Sonne und verströme den edlen Dufte der Magnolie. So bitte ich Euch als arme alte Vettel die vom Leben nichts mehr zu erwarten hat, gebt Eurem Kind das meinige zum Mann."
"Wahrlich edel gesprochen," lobte der Sultan die Alte. "Doch möchte ich nicht über den hübschen Kopf meiner einzigen Tochter hinweg über ihr Liebesglück entscheiden. Ich gebe Dir allerdings eine Chance, da Du so aufrichtig zu mir warst: Bringe Deinen Sohn, wenn er denn wirklich so ein stattlicher Knabe ist, morgen um die gleiche Zeit hierher. Meine Tochter und ich selbst werden auf euch warten. Soll sie es entscheiden, ob Dein Sohn gut genug ist."
"Ja Herr, so soll es sein." Die alte Vettel war so schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Der Sultan aber schlenderte noch bis nach Mitternacht durchs geliebte Unterholz und hie und da huschte ihm ein Lächeln über das Gesicht.

Er hatte am nächsten Tag durchaus seine Probleme, der starrsinnigen Tochter das Versprechen abzuringen, ihn am Abend auf seinem Spaziergang zu begleiten, doch als er den stattlichen Jungen erwähnte, war sie schließlich umgestimmt. Sie war mit ihren zarten sechzehn Jahren im besten Heiratsalter und auch am Willen dazu fehlte es ihr nicht.

Die Vettel kam pünktlich und dem ersten Anschein nach hatte sie durchaus die Wahrheit über ihren Jungen gesagt, doch war die Tochter anderer Meinung:

"Vater, Vater, du willst mich mit einem armen Halunken verheiraten? Schön sieht er ja aus und wenn er besser gepflegt wäre, so könnte er durchaus einen guten Bediensteten abgeben, aber Vater, du bist Sultan und ich bin deine Tochter. Mindestens einen Händlersohn möchte ich haben, noch lieber einen Prinz." Die Tochter hob den Kopf und blickte in die sternenklare Nacht hinein, als würde eben jener Prinz im nächsten Moment auf dem Rücken eines mächtigen Falken herangeflogen kommen. "Aber einen Bettler nehm' ich nicht."

Der Bauernsohn blickte betrübt zu Boden und die Augen der Vettel begannen zu funkeln als wollten sie mit den Sternen am nächtlichen Himmelszelt wetteifern. Der Sultan jedoch reagierte mit Bedacht:

"Liebste Tochter, ich versprach der guten Frau einzig, dass du höchst selbst vorbeikommen und ihren Jungen betrachten wirst, und das hast du getan. Es liegt an dir, ihn abzulehnen, doch hast du alles, was du brachst, und es ist nicht nötig, dass du bei der Wahl deines Gatten auf die Stellung achtest."
"Ich lehne ab." Die Tochter war ein starrsinniges Gör, egal ob morgens oder abends, und sie wollte sich gerade auf dem Absatz herumdrehen, als die alte Vettel wutentbrannt das Wort ergriff:
"Mein armer Junge liebt dich sehr !!!"
Die Tochter entgegnete der alten Frau mit jugendlichem Drang: "Wenn er mich liebt und ich ihn nicht, was soll es dann? Empfänden wir gleich für einander, ich und dein Bauernsohn, dann wäre er ganz flugs an meiner Seite, doch so ist es nicht."

Und mit einem Mal, als wäre dies ihr Stichwort gewesen, beschwörte die Vettel alle Dämonen am nächtlichen Himmel und ein kalter Hauch strich durch die Oase. Die Tierwelt verstummte, selbst die Käfer und Skorpione verkrochen sich in der Erde und im Wüstensand und die Pflanzen stellten ihr stetiges Wachstum ein. Es war eine eisige Furcht, die alles Leben ergriff. Der Jüngling und die Sultanstochter hingegen verloren jedes menschliche Gefühl in ihren Herzen und als der schreckliche Moment vorüber war und die Vettel dies dem Sultan erklärte da zog der Sultan sein Schwert und schlug ihr und ihrem Sohn mit einem Hieb die Köpfe ab.

"Sie empfinden doch nun gleich füreinander," protestierte der Kopf der alten Vettel, während er durch die Lüfte flog. Er landete neben dem Körper des Sohnes, blinzelte und starb.

Die Tochter fand ihre Gefühle nicht mehr wieder, und nach langem hin und her schickte der Sultan das arme Mädchen in die weite Welt hinaus. Und erst wenn sie die Liebe wiedergefunden hatte durfte sie zurück zu ihrem Vater, der sie jedoch niemals wieder sah, denn der Fluch der alten Vettel wäre nur durch die Hochzeit mit ihrem Sohn zu lösen gewesen, doch da der Sohn in jener Nacht gestorben war, blieb der Fluch bestehen.

So zieht sie noch heute ziellos durch die Welt und wenn sich Eiseskälte in unsere Herzen stiehlt, dann ist es der Atem der Sultanstochter, die an unserem Haus vorbei irrt. Denn trotz des Fluches, der auf ihr lastet, ist sie einem jeden Menschen sehr, sehr nahe.

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Engelchen und Teufelchen

Es war einmal, es war schon immer so, dass es neben der unsrigen Welt noch zwei weitere gab. Die Eine war die Welt der Engelchen, doch das war nicht so, wie Du es Dir vorstellen magst. Die Engelchen waren ein bunter Haufen, sie hatten keinen Herrn und sie sangen nur sehr selten weltentrückte Lieder. Die Harfe war den Engelchen unbekannt. Doch das Wichtigste, was Du wissen sollst, ist, dass die Engelchen nicht "die Guten" waren. Sie sahen ihren Sinn weitmehr darin, Platz und Leichtigkeit zu schaffen. Und das war gut so, denn man sagt ja:

So leicht, wie die Feder im Himmel, ist das Leben eines Kindes.


Die andere Welt war die Welt der Teufelchen. Auch diese hatten keinen Herrn und keine Harfen, aber auch soll man sie nicht "böse" nennen. Die Teufelchen, sie sahen ihren Lebensauftrag darin, den Menschen Enge und Schwere zu bringen. Denn man sagt ja:

Je enger ein Bett, je schwerer die Decke, desto geborgener.


Dann wuchsen eines Tages die Menschen aus dem Boden. Das fanden Engelchen und Teufelchen sehr spannend und es begab sich, dass die Menschen in ihren Hütten von ihnen gerne besucht wurden. Anfangs noch als reine Beobachter, begannen sie bald schon, sich auf die eine oder die andere Menschenschulter zu setzen und ihre Botschaften ins Menschenohr zu flüstern. Es flüsterten die Engelchen von Platz und Leichtigkeit und pusteten des Nachts, wenn der Mensch schlief, so fest in sein Ohr, dass aller Ballast und alle Gedanken auf der anderen Seite heraus geflogen kamen. Doch auch die Liebe und die Freundschaft und die vielen schönen Erinnerungen kamen heraus geflogen - und so waren manche Menschen leer.

Auch die Teufelchen flüsterten in so manches Ohr und bließen all die Dinge hinein, die ein Gewicht haben und Raum einnehmen. So füllten sie die Menschen nicht nur mit den Säften von Lust und Liebe und den vielen Träumen, die ein Mensch in seinem Leben träumt. Sie füllten ihn auch mit den schweren Gedanken, der Traurigkeit und der antriebslosen Schwere. Und deshalb sage ich:

Sieh zu, dass Du auf jeder Deiner Schultern einen Platz frei hast, einen fürs Engelchen und einen fürs Teufelchen. Denn wer nur leicht ist, der ist leer, und wer nur schwer ist, der ist voll. Das Glück aber ist nicht in der Armut zu finden und nicht im Reichtum. Das Glück liegt in der Mitte, gleich zwischen Demut und Zufriedenheit.


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Geisterstunde

"Die Freiheit des Geistes ist unangefochten eine wichtige Sache," sagte das Gespenst und zerrte an der Kette mit der schweren Eisenkugel. Es saß in seinem Kämmerchen und wartete auf Mitternacht, wie jeden Tag, und hoffte innigst, dass die Stunde Freigang nicht mehr lange auf sich warten ließe. Zu oft verging die Zeit bis Mitternacht sehr langsam, und fast immer ging die Stunde viel zu schnell vorbei.

"Eine Stunde Freiheit und die meiste Zeit des Tages einsam in der Dunkelheit," jammerte das Gespenst und zerrte an der Kette, die dann rasselte. "Da soll man nicht den Glauben an das Gute verlieren? Ach je, seit hundertzwanzig Jahren geht das immer so. Noch nicht einmal an Weihnachten oder Silvester, auch nicht an Halloween bekomm ich armer Geist nur eine Minute mehr dort draußen. Und die Menschen haben Angst vor mir, weil die Kette rasselt!" Aber es hatte den Glauben an das Gute nicht verloren und es hoffte innigst auf Erlösung.

'Dong!' machte die Uhr ein Dutzend mal und eine andere machte währenddessen 'Ding!' oder Dyng!' - so genau lässt sich das nicht sagen, denn die andere war eine ausländische Uhr und läutete mit Dialekt. Aber auch sie füllte das Dutzend wie es sich gehörte und verstummte dann. Und schon war das Gespenst im ganzen Hause unterwegs und zerrte an den Schubladen und tanzte mit den Türen und den Deckenleuchtern Ringelreihen und es machte "Buh!" und "Huh!" und "Trallala!"

Das Gespenst hatte für kurze Zeit viel Freude, es war frei, ein freier Geist! Dann ein einzelnes 'Dong!' und dazu ein einzelnes 'Ding!' oder 'Dyng!' und zurück ging es ins dunkle Kämmerlein. Traurig saß es wieder in der Dunkelheit und wartete.

Und wartete...
Und wartete...

Und die Moral von der Geschicht?
Fürchte die Gespenster nicht!
Doch selbst eines zu werden,
nur das sollte Dich sorgen!

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Kanonenboot

Warum es geschah, durch welch absonderliche, mir unbekannte Geschichte, aufgrund welches Missgeschickes, oder welcher böse Geist das Unglück vielleicht mit Absicht beschworen hatte, das vermag ich nicht zu sagen. überhaupt, ob es einen solchen Geiste gibt, der die Geschicke lenkt, und welcher Natur er sei, das halte ich für Glauben, nicht für Wissen, und Glauben ist eine sehr persönliche Sache. Stellung beziehen darf ich dazu allemal, doch Ihnen, werter Hörer, meine Sicht der Dinge förmlich aufzudrängen und den Worten damit den Anstrich einer Mission zu geben, davor sollte ich mich hüten. Es geschah, das ist eine Tatsache, und diese sollte genügen:

Ein Büblein starb mit sieben Jahren.

Es war in den Wald gelaufen und nicht wieder gekommen und erst nach einem halben Tag fanden die Eltern das Kind unter einem alten Baum, der wie mit ihr verwachsen neben einer feuchten, moosigen Ruine stand. Die obersten Wurzeln des Baumes hätten die gichtigen Krallen eines sterbenden Riesen sein können, und zwischen diesen Krallen hatte der Jungen gelegen.

Mit tränennassen Gesichtern und dem schneeweißen Körper in den Armen kämpften sie sich durch die Winterkälte zum Arzt - irrsinnig, wie sie waren, in diesem Moment - in der Hoffnung, der Arzt könne ihren kleinen Jungen zurück ins Leben holen... zurück... zurück...

Zu den Eltern sagte der Arzt jedoch folgendes, nachdem er den Körper des Jungen untersucht hatte, wie man eben eine Leiche untersucht: "Monsieur Milleton, Madame Milleton."

"Herr Doktor..."
"Es tut mir Leid, Monsieur Milleton, aber es war nichts zu machen. Sie haben mir einen toten Jungen gebracht und vor dem Tod da versagt die Medizin."

Der untersetzte, schnauzbärtige Winzer Francois Milleton und Marie Milleton, seine zartgliedrige Frau, weinten bitterste Tränen über den Verlust und die Tränen des Weibes tropften auf die nackte Brust der kleinen Leiche, wo sie liegen blieben und erkalteten.

Am Tage darauf - denn es gab ungewöhnlich viele Begräbnisse in dieser Stadt, so dass man sich bemühte, alle möglichst schnell unter die Erde zu bringen um so dem ewigen Gevatter nicht ständig gegenüber zu stehen - da wurde das Büblein begraben. Und am Tage darauf war Weihnachten und so wie das Christuskind in seiner Krippe in Bethlehem unter einem leuchtenden Gestirn erwacht war, so erwachte das Büblein unter der Erde.

"Wo... wo bin ich? Dunkel ist es hier und gar nicht wohlig warm... wenn es auch nicht kalt ist, aber wohlig ist mir nicht," dachte das Büblein in seiner Kiste. "Seltsam, und ich liege ja auf Holz und..."

Lange Zeit lag das Kind so da und dachte nach, und wenn ich sage 'Lange Zeit', dann meine ich sechs Wochen oder mehr. Es verspürte keinen Hunger und keinen Durst und auch nicht das Bedürfnis, sich zu bewegen, herumzutollen, mit den Bauklötzen zu spielen oder zum Klettern in den Wald zu gehen. Es fragte sich nicht, wann es wieder die Sonne sehen würde und was es wohl zum nächsten Mittagessen gebe, ja, überhaupt war ihm die Zeit abhanden gekommen.

"Wenn ich jetzt... ja, würde ich meine Hand heben, vielleicht auch die Faust, und wenn ich ganz, ganz mutig bin, dann, aber nur dann, alle beide Fäuste, denn so tun es die Kapitäne großer Kanonenboote und das ist auch gut so!" dachte der Junge das eine Mal, und das andere Mal dachte er: "Knirschen, knirschen tut die Welt, sie knirscht und wispert wie eine Kajüte im Kanonenboot!"

Und mit der Welt knirschte das spröde Holz der Kiste in der feuchten Erde.

Das Antlitz des Jungen vermoderte von Tag zu Tag, die Würmer kamen bald und fraßen seine Augen und seine Lippen und nur die Haare wuchsen weiter und die Fingernägel. Die einstmals warmen, zarten Händchen wurden zu knochigen Klauen, deren Nägel schon bald mit dem Boden der Kiste verwuchsen, so wie ein alter Baum mit einer Ruine verwächst. Wurzeln hingen aus dem Deckel herunter und leckten nach den Verwesungssäften, während der Junge - er war halt so - nicht aufhören konnte zu denken:

"Links und rechts und links und rechts... Die Malaria hat unsere Männer sterben lassen! In den Tropen ist es die Malaria. Links und rechts und links und rechts... Sie hat ein ganzes Dutzend erwischt, die Spanier haben acht erwischt, aber wir haben dreiundzwanzig Kerben in unseren Musketen, eine für jeden... Links und rechts und links und rechts... Die Spanier haben uns überrascht, aber was haben wir nicht, wie echte Männer, und das, trotz der Malaria. Links und rechts und links und rechts und..."

Wieder ist es Weihnachten, der Schnee fällt in großen Flocken, begräbt die Gräber auf dem Friedhof, knirscht unter den Stiefeln der Angehörigen wie die Särge unter der Erde... und ein ganzes Jahr ist vergangen, seit das Büblein gestorben ist.

"...links und rechts und links und rechts... meine Machete teilt das Gestrüpp ...links und rechts und links und... vor mir liegt das Meer! Endlich!" In seinen Gedanken wirft der Junge, der in seinen Gedanken kein Junge mehr ist, die Machete in den heißen Sand. Eine breite Pazifikbrandung rauscht gegen ihn an, versickert, zieht sich zurück, rauscht von neuem heran. "Hhhhhhhhhmmmm, wie salzig! Die Luft!" Die Palmen wiegen sich im Wind, der von der See herüberweht, ein Wind, der dem Jungen, der in seinen Gedanken ein Mann ist, ohne dass er überhaupt eine Vorstellung davon hat, was es heißt, ein Mann zu sein, erfrischend und lebendig um den Körper weht. "Die Wellen!" Gewaltige Berge rollen heran, tanzende, weiße Spitzen balancierend, pompös, unangreifbar...

"Wie sie knistern!"

Und in der Kiste liegt ein kleines, menschliches Gerippe.

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Über die Schwierigkeit, eine Brücke zu bauen...

...wenn man die Nägel gegen Pfeffer eingetauscht hat

Es begab sich so, dass zwei Stämme an zwei Seiten einer tiefen Schlucht gesiedelt hatten. Der Stamm im Osten hatte lange Jahre mit dem fernen Osten Handel betrieben, der Stamm an der Westseite der Schlucht tat selbiges mit den Völkern aus dem fernen Westen. Beide Stämme waren so zu einer stattlichen Menge an Eisennägeln gekommen. Eines Tages jedoch war der Preis für Eisennägel in beiden Fernen in eine astronomische Höhe geschossen, weshalb von dort zu unseren Stämmen Handlungsreisende gesandt wurden, mit dem Auftrag, deren Eisennägel gegen Pfeffer einzutauschen. Die Völker im fernen Osten und fernen Westen waren windige Geschäftsleute und hatten vorsorglich in unseren Dörfern das Gerücht gestreut, Pfeffer wäre geradezu gigantisch wichtiger als solch profane Dinge wie zum Beispiel Eisennägel. Das Unterfangen klappte wie gewünscht, und so sahen sich die Dorfobersten potzblitz in der aus ihrer Sicht – eigentlich der Sicht der fernöst- und westlichen Agenten – idealen Position, all ihre Eisennägel gegen den für ihre kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung so wichtigen Pfeffer einzutauschen. So kam es dann auch. (Ob es sich dabei um weißen, roten, schwarzen, grünen oder bunten Pfeffer handelte, ist leider nicht überliefert; es tat wohl nichts zur Sache.)

Die Monate vergingen, Krieg überzog die Länder, und unsere beiden Dörfer fanden sich bald abgeschnitten von der Welt.

Eines Tages gingen dem Dorf im Osten die Ziegen aus, somit der Käse und die Milch. Im Dorf im Westen aber, da vermehrten sich die Ziegen wie die Fliegen. Eines weiteren Tages gingen dem Dorf im Westen die Zitronenbäume aus, sie erkrankten an der Fäulnis. Im Osten aber wuchsen die Zitronen zu Melonengröße heran. Und eines weiteren Tages, da wandte der Dorfoberste im Westen seinen Blick nach Osten und erblickte dort melonengroße Zitronen, und der Oberste im Osten wandte seinen Blick nach Westen und entdeckte Ziegen, wie er sie sein Leben nicht gesehen hatte. Und da die Schlucht zwar weit und tief, jedoch nicht so weit und nicht so tief war, dass man nicht hinüber rufen konnte, rief der Oberste des Ostens: „Oberster im Westen, was hast Du doch für viele schöne Ziegen!“

Und der Oberste im Westen rief zurück: „Ach, wenn ich sie doch nur gegen ein paar Deiner riesigen Zitronen tauschen könnte!“

Und der Oberste im Osten ging kurz in sich und rief, nachdem er aus sich zurückgekehrt war: „Oberster im Westen, lass uns eine Brücke bauen und Handel treiben!“

„Ja, das werden wir!“

Gesagt, getan. Getan? Nun ja, zumindest gaben die Obersten ihren Dörflern die Anweisung Holz zu schlagen und zur Schlucht zu bringen. Sie schlugen so viel Holz, dass sich bald auf beiden Seiten der Schlucht ein großer Haufen türmte. „Nun lass uns unser vieles Holz zu einer Brücke zusammenbauen!“

„Ja, das werden wir!“ wiederholte nun der Oberste im Osten, was zuvor der Oberste im Westen gerufen hatte. Doch so sehr sie sich bemühten, bekamen die Dörfler das Holz nicht aneinander und bei jedem Versuch stürzte ein wenig in die Schlucht, bis beide Berge Holz verschwunden waren, wie auch eine Handvoll Arbeiter. Eine Brücke aber war aus ihren Mühen nicht entstanden.

Beide Oberste zogen nun die weisen alten Frauen zu Rat. Diese warfen Buchenstäbe um sich und darin lasen sie: „Zuerst sollt ihr von neuem Holz schlagen, dann sollt ihr einen Bär finden und ihm folgen, bis ihr auf ein Bienennest stoßt. Den Bienen sollt ihr dann den Honig stehlen und zum Holze bringen. So könnt ihr das Holz mit dem Honig verleimen und eine Brücke bauen.“ Der Widerhall der Worte ihrer alten Frauen klang zwischen den Ohren der Dorfobersten vernünftig, und so wiesen sie ihr Volk zur Tat.

Bald schon türmten sich auf beiden Seiten der Schlucht von Neuem große Berge Holz, dazu jeweils ein Kübel voller frischem Honig. Die wenigen Opfer, die der Bär gefordert hatte, schienen mit der Wichtigkeit der Sache in Einklang zu stehen. Nichtsdestotrotz hatten auch die beiden Bären ihr Leben lassen müssen, denn Blutzoll bleibt Blutzoll und der Bär dem Menschen stets der Unterlegene. Es dauerte jedoch nicht lange, da waren Holz und Honig in der Schlucht verschwunden, denn leider reichte die Klebkraft des Honigs nicht aus, um die schweren Stämme aneinander zu halten, und auch ein paar Arbeiter landeten mitsamt ihrem Gerät in der tiefen, dunklen Schlucht.

Da trauten die Obersten den alten Frauen nicht mehr über deren verschlungenen Pfade und Wege, denn ihr Plan war viele Grade schief gegangen, schlugen ihnen zur Strafe die Köpfe ab und zogen anstatt ihrer nun den Himmel zu Rate. Der Himmel sagte ihnen: „Schlagt von neuem Holz und glaubt nur fest daran. Der Winter kommt und er wird mit dem Frost, den er Euch bringt, das Holz mit harter Hand zusammenhalten.“ Dies klang zwischen den Ohren der Dorfobersten noch viel vernünftiger, als der Rat der alten Frauen, und so sandten sie eine recht stattliche Zahl an Männern aus, von Neuem Holz zu schlagen.

Bald schon türmten sich auf beiden Seiten der Schlucht große Berge Holz, dass sie den Himmel schier verdunkelten. Und obwohl der Frost im Wald zweimal so viele Leben gekostet hatte, wie der Bär zuvor, schien ihnen der Preis hierfür gerecht. Es dauerte jedoch nicht lange, da war auch dieses Holz samt einer vierfachen Portion an Arbeitern in der Schlucht verschwunden. Der Frost hatte die Holzstücke porös gemacht, so dass sie leicht entzweibrachen und der Halt zwischen den Stücken, worin der Himmel nicht gelogen hatte, keinen Nutzen brachte.

Es ging noch lange so – ungezählte Stapel Holz - und auch wenn es den Obersten nicht möglich war, dem Himmel den Kopf abzuschlagen, so segneten neben den Bären und den Arbeitern auch Ochsen, Ameisen und bald die beiden Wälder selbst das Zeitliche. Am Ende aber, als nur noch der Oberste im Osten und der Oberste im Westen, die melonengroßen Zitronen und die ungezählten Ziegen übrig waren, da war die Schlucht so voll von Holz, dass es ein Leichtes wurde, einfach über sie hinweg zu wandern. Das taten beide dann und trafen sich in der Mitte.

„Es freut mich sehr,“ sagte der Dorfoberste aus dem Westen, „dass wir unser Ziel für unser Volk nun endlich erreicht haben,“ und überreichte seinem Gegenüber eine besonders schöne Ziege. Vom Volk jedoch war nichts mehr übrig.
„Ebenso, mein Freund,“ entgegnete der Oberste des Ostens, lächelnd, und vermachte seinem neuen Freund die zweitgrößte Zitrone. Auch von seinem Volk war nichts mehr übrig. Ebenso vom Wald und von den Ameisen und Bären und dem Honig und den Ochsen und der ururalten Schlucht. Nichts gab es mehr, außer dem Himmel, Ziegen und Zitronen, zwei Obersten und einer Unmenge an Pfeffer, den keiner mehr gebrauchen konnte. Doch so ist’s nun mal im Leben, die Obersten haben nur Ziegen, Pfeffer und Zitronen zwischen den Ohren, und dies und alles andere sollte uns weder verwundern noch bekümmern.

Jedoch aus Ziegen, Pfeffer und Zitronen – das lasst Euch eine Lehre sein, ihr dort unten in der Schlucht – lässt sich ein feiner Braten machen.

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Von Glück und Liebe

Eine Frau, deren Mann im Krieg gestorben war, und ihre fünf Söhne Fleiß, Glaube, Ordnung, Strenge und Glück besaßen nichts weiter als eine löchrige Hütte, die Lumpen an ihren Körpern und eine gebrechliche alte Ziege. Auf den Feldern in der Umgebung gab es nicht viel zu verdienen und so war es eine gar fürchterliche Katastrophe, als die Ziege eines Tages beschloss, keine Milch mehr zu geben.

"Von Brot allein lässt sich's nicht leben," überlegte die arme Frau. "Und woher den Käse nehmen, wenn nicht stehlen?"

Doch hatte sie ihr Leben lang ehrlich gelebt und trotz alledem schon manch üble Situation gemeistert. Also sagte sie zu ihren Kindern, eines nach dem anderen solle auf seine Art und Weise versuchen, der starrigen, alten Ziege wieder etwas Milch zu entlocken.

Zuerst versuchte Fleiß sein Glück und zog drei Tage und drei Nächte eifrig an den runzeligen Zitzen, doch es kam kein Tropfen.

Dann kam Glaube an die Reihe und er malte der Ziege wunderbare Zeichen aufs Fell und betete zu Gott, doch es kam kein Tropfen.

Der nächste hieß Ordnung und er säuberte den Stall und tat genau das, was er vom Vater gelernt hatte, doch es kam kein Tropfen.

Nun lag es an Strenge und er baute sich direkt vor der Ziege auf und schlug sie mit dem Stock, als sie nicht auf ihn hören wollte, doch es kam kein Tropfen.

Der letzte war auch der kleinste von allen, er hieß Glück und war kaum einen Meter groß, doch erkannte er als einziger das schlimme Leiden des armen Tiers. Er redete mit der Ziege, striegelte ihr Fell und kraulte sie den lieben langen Tag am ganzen Körper. Und am Abend, als die Sonne hinter den Bergen verschwand, da nahm er sie in seine Arme und sang sie zärtlich in den Schlaf. Es war eine so sanfte Melodie, dass der kleine Junge darüber bald selbst entschlummerte.

Doch als er am nächsten Morgen erwachte, da fand er anstatt der armen alten Ziege nur noch deren Kadaver in seinen Armen und er sprang auf und rief:

"Brüder, Brüder, warum habt ihr das getan? Euer Streben war nur auf euch selbst gerichtet - die ganze Zeit - aber die Ziege selbst war euch egal. An Traurigkeit ist sie nun gestorben."

An diesem Morgen erkannte Glück, dass er alleine keine Chance hatte in einer solchen Welt. Und so machte er sich noch am selben Tag auf, die Liebe zu finden, mit der er doch irgendwie verwandt sein musste.

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Was den Diamant vom Löwe unterscheidet

Es lebten in einer kleinen Stadt im Morgenland einmal zwei Brüder, Heschrun und Al'muftaras, die sich ihre Sporen noch verdienen mussten. Der Vater war sehr angesehen und sein Handeln von großem Erfolg gewesen, so dass jeder Mann und jede Frau zu ihm aufgesehen hatte. Doch war er eines Tages beim Jagen in den Wäldern von zwei Tigern gestellt worden. Den einen Tiger hatte er im Kampf besiegt, doch der zweite war sein Ende gewesen. So war es nun an den beiden Brüdern, die Nachfolge ihres Vaters anzutreten - und die ganze Stadt und das ganze Umland wartete gespannt, wer von den beiden die frei gewordene Stellung nun einnehmen würde.

"Meine lieben Söhne," sprach bald darauf die Mutter zu den Beiden. "Der Diener will gesehen haben, bevor er Hals über Kopf geflohen ist, wie das Raubtier meinen geliebten Mann ins Unterholz gezogen hat. Sein Körper liegt dort irgendwo, so dass wir ihn nicht ordentlich bestatten können."

Die Söhne nickten. Sie waren tief bewegt, und so entzündete sich an ihrer Liebe zum Vater und ihrem Mitleid mit der Mutter die Kampfeslust. Sie hoben kühn die Fäuste und riefen mit einer Stimme: "Oh Mutter, wir werden in den Wald gehen und das Leibliche unseres Vaters - deines Gatten - einholen. Er soll die prächtigste Bestattung erhalten, die das Land jemals gesehen hat!"

"Oh, Frevel!" rief die Mutter und sah sich ängstlich um. "Sagen wir doch: Die prächtigste Bestattung, vom alten Sultan einmal abgesehen." Denn man sagt ja:

Die höchste Ehre verwandelt sich in Schande, wenn sie die Ehre eines and'ren untergräbt.


Die Söhne waren einverstanden. Und so rüsteten sie sich mit Säbel, Netz und allerlei weiteren Utensilien für die Jagd. Erhobenen Hauptes zogen sie hinaus, den Tiger zu töten und den Leib ihres Vaters nach Hause zu bringen.

Es war ein weiter Weg bis zu den Wäldern. Da sich die Brüder ihre Sporen noch nicht verdient hatten, waren sie weich und schwach und setzten sich schon bald zur Rast.

"Ach Bruder," sagte Heschrun nun, während ihm der Schweiß auf der Stirn glitzerte. "Mir ist das Netz so schwer, ich lass es hier." So legte das Netz sorgfältig zusammen und verstaute es unter einem Gebüsch. "Wir werden es auf dem Rückweg holen."

Nach langer Rast gingen die Brüder ohne Fangnetz weiter. Doch als sie den Rand des Waldes erreichten, da wurden ihnen die Füße auf ein Neues schwer und sie setzten sich zur Rast.

"Oh Bruder," sagte Al'muftaras, während er sich die Beine rieb. "Mir ist der Säbel so schwer, ich lass ihn hier." So wickelte er den Säbel in seinen Turban und verstaute ihn unter einem großen Ast, der von einem der Bäume gefallen war. "Wir werden ihn auf dem Rückweg holen."

Nach langer Rast drangen die Brüder nun in den Wald ein, in dem ihr Vater vom Tiger gerissen worden war. Doch war es sehr mühsam, sich durchs Unterholz zu schlagen, und so machten die beiden Brüder schon bald eine weitere Rast.

"Ach Bruder," klagte Heschrun mit zitternder Stimme. "So kommen wir nicht weiter, mit all dem Sack und Pack."
"Ja, mein Bruder," entgegnete Al'muftaras . "Lassen wir die Sachen doch hier."

So taten sie und drangen nach langer Rast mit nichts als ihren Kleidern am Leib tiefer in den Wald hinein. Und als sie auf eine Lichtung kamen, da rasteten sie aufs Neue, denn es war schon Abend geworden und die zarten Füße waren ihnen ganz blasig geworden. Da aber erklang das fürchterlichste Fauchen aus dem Unterholz, und sie wussten, dass der menschenfressende Tiger sie gefunden hatte. Tiefes Entsetzen erfüllte ihre Herzen, hatten sie doch jede Waffe und jedes Werkzeug hinter sich gelassen. Sie waren dem Räuber schutzlos ausgeliefert.

"Oh Bruder, uns hilft nur noch ein Wunder!" rief Al'muftaras und hob die Arme, um Allah um Hilfe anzuflehen. Heschrun tat es ihm gleich, Schulter an Schulter fielen sie auf die Knie. Doch sie wussten nicht so recht zu beten, in ihrer Angst, und da sie ihr Hilfegesuch in Worten an niemanden bestimmten richteten, zischte und brodelte es plötzlich in einem Erdloch, keinen Steinwurf von ihnen entfernt. Da kam ein Dschinn hervor und fragte die verdutzten Brüder nach ihrem Begehr.

"Oh großer Geist, wir brauchen Hilfe gegen den bösen Tiger im Gebüsch!"
Da lachte der Dschinn und sagte: "Hilfe ist viel, ihr Buben, und viel ist alles. Aber alles ist nichts, so kann ich Euch nicht helfen."

Da begriff Haschrun, was der Geist von ihnen wollte. Denn man sagt ja:

Weise ist nicht, wer die Antwort kennt. Weise ist, wer die Frage versteht.


Und Haschrun rief in seiner Angst: "Oh großer Geist, mach mich so hart, wie es auf dieser Welt nur möglich ist!"

Und auch Al'muftaras hatte verstanden und rief, weil er an den Leib des Vaters dachte: "Oh großer Geist, mach mich so stark, wie es auf dieser Welt nur möglich ist!"

Da sagte der Dschinn: "Ihr habt es so gewollt, Ihr sollt es so bekommen!" Und mit einem mal verwandelten sich die beiden Brüder. Haschrun wurde so hart, wie es auf dieser Welt nur möglich ist, und fiel als menschengroßer Diamant zu Boden. Al'muftaras aber verwandelte sich in das Stärkste, was es gibt in unserer Welt. So stand er als Löwe neben seinem diamantenen Bruder, strotze vor Kraft und pirschte in das Unterholz. Da erlegte er den Tiger mit Leichtigkeit, fand des Vaters Leichnam und brachte ihn letztlich zurück nach Hause. Der Vater wurde in allen Ehren bestattet, und als die Zeremonie zu Ende war, da verwandelte sich Al'muftaras wieder zurück in seine frühere Gestalt. Die Mutter nahm ihn die Arme, hatte sie doch ihren Sohn zurück. Der aber nahm sich die schönste aller Jungfrauen der Stadt zur Gemahlin und lebte sein Leben in Glück und Frieden.

Haschrun hingegen wurde nicht lange nach seiner Verwandlung von sieben Räubern gefunden, die sich um den menschengroßen Diamanten stritten. Zuletzt schlugen sie den Edelstein in sieben Teile und teilten diese unter sich auf. Als sich Haschrun nun zurück verwandelte, da war er des Todes. Und daher sagt man:

Härte ist glatt und reglos wie der Edelstein und führt zum Tod, egal wie sehr sie glänzen mag. Stärke aber ist weich wie das Fell des Löwen und gereicht zu Glück und langem Leben. So meide die, die sich die Harten nennen und suche nur die Freundschaft der Starken, dass es dir an nichts mehr mangeln werde.


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Wie die Welt entstand

[aus: ein Hochzeits-Hörspiel]

Laub lag keines auf dem erdigen Boden, denn der Wald der Hekate war immergrün. Nur von seinem Rand trug der Wind tote Blätter über die Schlucht. Die Sonne war eben erst aufgegangen und schimmerte in die blassgrünen Baumkronen hinein. Sie waren lediglich die Vorboten für den schier undurchdringlichen Dschungel, in dessen Mitte sich der Weltenbaum Yggdrasil und Mimirs Brunnen, dem Quell des Lebens, befanden.

Dort saßen die drei Nornen an ihren Spindeln und spinnten eines jeden Wesens Lebensfaden, die Schicksalsgöttinnen Urdh, Verdandi und Skuld, Mimirs Schicksal, weise und gerecht. Es heißt, ein jedes Lebewesen mit reinem Herzen, auch ein Mensch, könne den Wald der Hekate unbekümmert durchqueren und am Weltenbaum bei den Nornen sitzen. Sie würden ihm Rat geben oder über ihn richten.

Sie waren die ältesten, die Urheberinnen allen Lebens, und als sie noch Kinder waren, da schüttelten sie ihr langes rötlich-goldenes Haar, und die Götter fielen heraus. Doch die Säuglinge weinten, denn sie hatten kein zu Hause, und so pflanzten die Nornen im Nichts einen Baum, auf dem sie leben konnten, und sie nannten ihn Yggdrasil - Hort der Zweiten. Bald wurden die Mädchen älter, und auch ihre Kinder wuchsen heran und die Zeit wurde lange. Sie wussten nichts mit sich anzufangen, die zweite Generation reifte heran und entdeckte den Spaß an niederen Begierden, was den drei Schicksalsmüttern versagt geblieben war.

Die Nornen wandten sich ab und setzten sich auf die oberste Wurzel Yggdrasils und begannen die Lebensfäden von Mensch, Tier und Pflanze zu spinnen und die spärlichen, dünnen Fäden verfingen sich in den Wurzeln, die ins Nichts ragten, und ballten sich im Laufe der Zeit und so entstand die Welt.

Doch die Götter wohnten in Yggdrasils Krone und kamen nur dann und wann hinunter auf die Erde, schändeten Tiere und Menschen und zogen eine Schneise um den Weltenbaum, die unendliche Schlucht. Und bald gab es eine dritte Generation, Baldur und Hermes, Eros, Hekate und Isis und die vielen Tier- und Pflanzengötter. Inzestuös oder mit sterblichem Gewürm gezeugt, doch auch sie waren göttlich. Selbst wenn ein Tropfen ihrer Säfte auf toten Boden fällt, entsteht ein neues, unsterbliches Leben.

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Bibliothek

Dieser unvollständige Auszug gibt einen Einblick in meine breit gefächerte Interessenslage wider. Die hier aufgeführten Bücher sind Teil meiner umfangreichen Bibliothek und seien allesamt - ob alt oder neu - dem interessierten Leser sehr ans Herzen gelegt. Der Grundton aller hier aufgeführten Werke ist die kritische, wissenschaftliche Betrachtungsweise.

• Adrian, Franciscus - Die Schule des I Ging
• Ammon, Günter (Hrsg.) - Gruppendynamik der Kreativität
• Bartels, Max - Medizin der Naturvölker - Urgeschichte der Medizin
• Bensch, Kurt - Magie - Auf den Spuren des Unbekannten
• Bloching, Karl H. - Texte moderner Schriftsteller über Meditation
• Chertok, Léon - Hypnose - Theorie, Praxis und Technik
• Davies, Nigel - Weltgarten der Lüste
• Ditfurth, Hoimar von - Der Geist fiel nicht vom Himmel
• Drössler, Rudolf - Planeten, Tierkreiszeichen, Horoskope - Ein Ausflug in Mythologie, Spekulation und Wirklichkeit
• Duerr, Hans Peter (Hrsg.) - Sehnsucht nach dem Ursprung - Zu Mircea Eliade
• Eibl-Eibesfeldt, Irenäus - Der Mensch - Das riskierte Wesen
• Eibl-Eibesfeldt, Irenäus - Liebe und Hass - Zur Naturgeschichte elementarer Verhaltensweisen
• Feldenkrais, Moshé - Bewußtheit durch Bewegung
• Fletcher, George P. - Loyalität - Über die Moral von Beziehungen
• Freigang, Horst / Schütz, Gerhard - Metaphern, Stellvertreter-Geschichten und hypnotische Texte
• Fromm, Erich - Die Kunst des Liebens
• Gandhi, Mohandas Karamchand - Autobiographie oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit
• Geyer, Christian (Hrsg.) - Hirnforschung und Willensfreiheit
• Hawking, Stephen - Eine kurze Geschichte der Zeit
• Hofmeister, Roman - Handbuch der Redekunst
• Jouvet, Michel - Die Nachtseite des Bewusstseins
• Jung, Carl Gustav - Bewusstes und Unbewusstes
• Jung, Carl Gustav - Über die Psychologie des Unbewussten
• Kossak, Hans-Christian - Hypnose - Ein Lehrbuch
• Krucker, Wolfgang - Partner der Innenwelt - Analytische Imaginationstherapie
• Laiblin, Wilhelm (Hrsg.) - Märchenforschung und Tiefenpsychologie
• Lao-Tse - Tao Te King
• Lauster, Peter - Die Liebe - Psychologie eines Phänomens
• LeCron, Leslie M. - Selbsthypnose
• Lenz, Friedrich - Bildsprache der Märchen
• Lorenz, Konrad - Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen
• Lorenz, Konrad - Vergleichende Verhaltensforschung
• MacKenzie, Norman - Träume
• Mai, Jürgen K. - Atlas of the HUMAN BRAIN
• Mambert, William A. / Foster, Frank - Erfolgsgeleise Ihres Unbewussten
• Mensen, Herbert - ABC des Autogenen Trainings
• Oesterreicher-Mollow, Marianne - Herder-Lexikon der Symbole
• Peseschkian, Nossrat - Positive Psychotherapie
• Rattner, Josef - Aggression und Menschliche Natur
• Rattner, Josef - Selbsterkenntnis und Menschenkenntnis
• Reich, Wilhelm - Charakteranalyse
• Riemann, Fritz - Grundformen der Angst
• Roth, Gerhard - Bildung braucht Persönlichkeit
• Schmitz, Karl - Was ist, was kann, was nützt Hypnose
• Schöck, Inge - Hexenglaube in der Gegenwart
• Stadler-Straub, Renate - Die Bildersprache der Seele - Hypnose und Autosuggestion
• Stanford, Peter - Der Teufel - Eine Biographie
• Stokvis, Berthold - Lehrbuch der Hypnose
• Thomas, Klaus - Praxis der Selbsthypnose und des autogenen Trainings
• unbekannt, indischen Ursprungs - pañcatantra
• unbekannt, persischen Ursprungs - Tuti Nameh - Das Papageienbuch
• Uther, Hans-Jörg (Hrsg.) - Die schönsten Märchen vom Heilen
• Walsh, Roger N. - Der Geist des Schamanismus
• Walsh, Roger N.; Vaughan, Frances (Hrsg.) - Psychologie in der Wende
• Watzlawick, Paul - Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
• von Weizsäcker, Carl Friedrich / Copi Krishna - Die bilogische Basis der religiösen Erfahrung
• Wiesenhütter, Eckart - Grundfragen unserer Existenz
• (Übersetzung) Wilhelm, Richard - I Ging - Das Buch der Wandlung